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Trotz allem höhere Gewinne

Die Preise steigen – für Unternehmen ist das eine Chance auf besonders gute Geschäfte

  • Von Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.
Wer sich also langfristig preiswert mit Öl, Kohle oder Erdgas eingedeckt hat, erzielt einen hohen »Mehrwert«.
Wer sich also langfristig preiswert mit Öl, Kohle oder Erdgas eingedeckt hat, erzielt einen hohen »Mehrwert«.

Agrarminister aus führenden Bananen-Anbauländern schlagen in einem offenen Brief Alarm. Sie warnten Anfang vergangener Woche vor den Folgen einer neuen Kostenspirale. »Einige Produzenten müssen schon jetzt Dünge-Zyklen aussetzen, weil die Kosten zu hoch sind«, sagt Dieter Overath, Vorstandsvorsitzender von Fairtrade Deutschland. Schon Monate vor Beginn des Ukraine-Krieges kämpften Produzenten mit steigenden Kosten für Verpackung und Transport. Allein die Pandemie hat laut Overath die Frachtkosten um 60 Prozent in die Höhe getrieben. Immerhin jede sechste Banane, die hierzulande verzehrt wird, ist Fairtrade-zertifiziert. Als Reaktion auf die Kostensteigerung hat Fairtrade seinen Mindestpreis erhöht.

Die Inflation hat die globalen Lieferketten fest im Griff. Anderseits verdienen selbst an den steigenden Energiepreisen viele mit: Zwischen Bohrloch und Tankstelle liegen noch Pipeline-Betreiber und Tanker-Reedereien, Raffinerien und Großhändler, um nur die größten Akteure zu nennen. Alle schneiden sich ein Stück vom Kuchen ab.
Nun steigen die Energiepreise vor allem für kurzfristige Einkäufer. Üblich sind allerdings langfristige Verträge. So teilte der größte Importeur russischen Erdgases, Uniper, im März mit, dass man an laufenden Geschäften festhalten werde: »Bestehende langfristige Gasimportverträge mit Russland bleiben Teil der sicheren europäischen Gasversorgung.« Medienberichten zufolge hat Uniper Verträge mit russischen Energieunternehmen, die über das Jahr 2030 hinausgehen.

Wer sich also langfristig preiswert mit Öl, Kohle oder Erdgas eingedeckt hat, erzielt einen schönen »Mehrwert«, wenn er für seine Produkte an der Tankstelle oder der Heizkostenabrechnung die hohen aktuellen Preise kassiert. Ähnlich läuft das Spiel bei Industrierohstoffen wie Aluminium, Eisenerz oder Zinn. So gehören neben Bergbaukonzernen wie Rio Tinto oder BHP aus Australien auch deutsche Industriekonzerne wie Aurubis oder K+S wohl zu den Inflationsgewinnern. Da viele Rohstoffe, Vorprodukte und Energieträger knapp sind, lassen sich hohe Preise bei den Abnehmern leicht durchsetzen. Die Bundesregierung plant nun zwar eine Verschärfung des Kartellrechts, aber lediglich im Energiesektor.

Die meisten der aktuell zu beobachtenden Preissteigerungen haben nach Ansicht von Analysten noch mit den knappen Kapazitäten nach der Pandemie zu tun. Davon profitieren die globale Logistikindustrie, vor allem Reedereien und Konzerne wie Kühne oder die Deutsche-Post-Tochtergesellschaft DHL. Die Raten, die sie für die Beförderung eines Containers von Shanghai nach Hamburg kassieren, sind weit mehr in die Höhe geschossen als die Treibstoffpreise.

In einer freien Marktwirtschaft sind Unternehmen in ihrer Preisgestaltung frei. Dies nutzen auch außerhalb des Energiesektors viele Firmen, um aktuelle Preisentwicklungen sofort auf die eigenen Preise draufzuschlagen – obwohl sie selber die Güter und Vorleistungen noch zu den alten, niedrigeren Preisen eingekauft hatten.
Hier profitieren Firmen besonders, die auf vollen Lagern sitzen oder langfristige Verträge mit Lieferanten pflegen. Das gilt beispielsweise für den Lebensmitteleinzelhandel. Konzerne wie Edeka oder Aldi, die zudem eine große Marktmacht gegenüber ihren Lieferanten in der Industrie besitzen, dürften für das Jahr 2022 goldgeränderte Bilanzen schreiben.

Was bei solch einem nachhaltigen Geschäftsgebaren drin ist, zeigt ein Blick auf den Großhandel. Angenommen, der Händler hatte seine Waren im Dezember eingekauft. Damals betrug die allgemeine Preissteigerung rund fünf Prozent. Diese Waren verkaufte er im Februar, da waren die Verkaufspreise im Großhandel gegenüber dem Vorjahresmonat aber bereits um 16,6 Prozent gestiegen. Eine andere Praxis besteht darin, den Prozentsatz, mit dem Energiekosten (oder Löhne) steigen, auf das Endprodukt mehr oder weniger drauf zu schlagen. Tatsächlich spielen Energiekosten bei der Süßwarenherstellung oder in der Automobilindustrie – anders als in der Chemie oder Fischerei – nur eine untergeordnete Rolle.

Doch wie geht es weiter? Die kriegsbedingte Preiswelle steckt noch in den Lieferketten, ist Branchenberichten zu entnehmen. Diese Welle trifft auf Unternehmen, denen es nach zwei von der Corona-Pandemie gekennzeichneten Jahren erstaunlich gut geht. Nie zuvor, so die Dekabank, haben die DAX- und MDAX-Unternehmen eine zu erwartende Dividendensumme von rund 55,3 Milliarden Euro ausgeschüttet wie in diesem Frühjahr. Dass vom Handel auch zukünftig nicht allein die höheren Einkaufspreise weitergegeben werden, zeigen Marktübersichten von Beratungsunternehmen.

Danach werden beispielsweise Sonnenblumenöle – die Ukraine ist ein wichtiger Lieferant – durchweg teurer, aber prozentual doch sehr unterschiedlich. Dagegen wird in Deutschland bei Bananen »weiter gefeilscht«, klagt Fairtrade-Vorstand Overath, wer die günstigste Banane anbietet. Bei Grundbedarfsartikeln wie Milch, Kaffee oder eben Bananen locken Supermärkte und Discounter gerne preissensible Kunden mit Dumpingangeboten unterhalb ihres Einstandspreises an. Bei anderen Produkten wird an der Preisschraube gedreht.

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