Polizeigewalt in den USA: Zeitschleife ohne Ende

Christian Klemm über den Polizeimord an Patrick Lyoya

  • Christian Klemm
  • Lesedauer: 2 Min.

Wer kennt den Film »Und täglich grüßt das Murmeltier« noch? Darin erlebt der egozentrische Wetteransager Phil Connors, grandios gespielt von Bill Murray, immer den gleichen Tag. Der Streifen von 1993 ist praktisch ein Abziehbild zu dem, was in den USA zwar nicht täglich, aber immer wieder passiert: Morde an unschuldigen Schwarzen durch einen brutalen Polizeiapparat. Zuletzt im Bundesstaat Michigan, als der 26-jährige Patrick Lyoya von einem Polizisten wegen seines angeblich falschen Kennzeichens angehalten wird. Lyoya und der Beamte liefern sich erst ein Wortgefecht und dann eine Rangelei, bis der Polizist seine Waffe zieht. Er kniet auf dem am Boden liegendem Mann und erschießt ihn. Kopfschuss wegen eines falschen Nummernschildes – die bittere Realität für Afroamerikaner in »God's own Country«.

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Es ist weniger als zwei Jahre her, dass der weiße Polizeibeamte Derek Chauvin den Afroamerikaner George Floyd erstickte. Floyd bettelte mit den Worte »Ich kann nicht atmen!« um sein Leben. Das beeindruckte Chauvin nicht. Warum auch – zu oft sind weiße Polizisten mit ihren Taten glimpflich davon gekommen. Erinnert sei an die Misshandlung von Rodney King 1991 durch die Polizei von Los Angeles oder den Mord an Trayvon Martin durch den Wachmann George Zimmerman in Florida 2012. Die Täter wurden später von Gerichten freigesprochen. Laut einer Zählung der »Washington Post« kommen bei Polizeieinsätzen in den USA doppelt so oft Schwarze ums Leben wie Weiße – im Verhältnis zu ihrem Anteil an der Bevölkerung. Das Töten ist also nicht zufällig, sondern hat System. Und das System heißt Rassismus.

Am Ende von »Und täglich grüßt das Murmeltier« wandelt sich der Protagonist zu einem liebevollen und selbstlosen Menschen. Damit endet die Zeitschleife. Doch das ist im realen Leben anders: Es wird nicht lange dauern, bis der nächste Schwarze durch eine Polizeiwaffe stirbt. Dieses Mal vielleicht wegen eines kaputten Blinkers an seinem Fahrzeug.

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