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Wie einst der BFC Dynamo

Bayern München holt gegen den BVB den zehnten Meistertitel in Folge

  • Von Maik Rosner, München
  • Lesedauer: 4 Min.

Als das Bier einigermaßen getrocknet und die Garderobe nach einer handelsüblichen Dusche gewechselt war, stand beim FC Bayern noch die nicht-öffentliche Meisterfeier auf dem Party-Programm. In einem Restaurant am Wittelsbacherplatz in der Münchner Innenstadt wurde der vorzeitige Gewinn des Bundesligatitels nach dem 3:1 (2:0) gegen Borussia Dortmund in der Nacht auf Sonntag ziemlich ausgelassen weitergefeiert. Augenzeugen zufolge soll sich Thomas Müller eine Zigarre gegönnt haben. Zudem habe Trainer Julian Nagelsmann die Verlängerung des Vertrags von Robert Lewandowski verkündet, dies aber umgehend als unwahren Scherz entlarvt.

Nach allem, was zu sehen und zu hören war, haben sie sich beim FC Bayern trotz aller Routine tatsächlich sehr gefreut über ihren zehnten Meistertitel in Serie und den 32. insgesamt. Rekordserienmeister der Bundesrepublik sind die Münchner nun - eine Dominanz, wie sie einst der BFC Dynamo in der DDR (1979 bis 1988) ausübte.

In Europas Topligen in England, Spanien, Italien und Frankreich war noch kein Verein so oft hintereinander Meister. Seit Bestehen der Bundesliga wurden die Bayern 31 Mal Meister, alle anderen Vereine bringen es seit 1963 zusammen auf 28 Titel. Bei der aktuellen Titelserie hatten die Münchner mit Ausnahme von 2019 immer einen zweistelligen Punktevorsprung auf den Zweiten. Es ist eine Dominanz, die nicht einmal im Sinne des FC Bayern ist. »Die Bundesliga braucht das«, sagte Sportvorstand Hasan Salihamidzic am Sonntag bei Sky 90 über die personellen Bemühungen der Konkurrenz aus Dortmund, Leipzig und Leverkusen, künftig näher an die Münchner heranzurücken. »Wir wollen nicht mit 15, 20 Punkten Vorsprung Meister werden«, sagte Salihamidzic.

Kurz nach dem Prestigesieg gegen Dortmund hatte Nagelsmann in der Münchner Arena vor allem den Moment des Erfolgs genossen. Man lasse sich die Freude über den vorzeitig gewonnenen Ligatitel nicht kaputtreden. »Es ist für mich mein erster großer Titel und deswegen schon sehr besonders«, sagte der 34-Jährige.

Der jüngste Meistercoach des FC Bayern und der zweitjüngste der Bundesliga-Geschichte nach Dortmunds Matthias Sammer, der vor 20 Jahren bei seinem Triumph 33 Tage jünger gewesen war, räumte aber auch die Schatten auf seinem ersten Amtsjahr ein. Den Titel im Klassiker gegen den Tabellenzweiten BVB klarzumachen, »ist dann schon so, dass es die Saison in ein besseres Licht rückt«, sagte Nagelsmann. Die großen Enttäuschungen wirken noch immer nach: Die 0:5-Niederlage in der zweiten Runde des DFB-Pokals bei Borussia Mönchengladbach, vor allem aber das jüngste Aus im Viertelfinale der Champions League gegen Villarreal. »Das tut mir schon weh«, sagte Salihamidzic, »wir müssen zur Tagesarbeit übergehen, aber das bleibt schon länger.« Wegen der Blamage gegen Villarreal kündigte er an: »Wir werden jeden Stein umdrehen und nächstes Jahr richtig attackieren.« In Gesprächen befinde man sich mit Ajax Amsterdams Mittelfeldspieler Ryan Gravenberch, 19, bestätigte Salihamidzic. Dem Vernehmen nach soll auch Gravenberchs Teamkollege, der Rechtsverteidiger Noussair Mazraoui, 24, kommen.

Das Spiel gegen den BVB hatte tags zuvor wie ein Spiegelbild der Schwankungen in dieser Saison gewirkt. Serge Gnabry (15.) und Lewandowski mit seinem 33. Ligator der Saison (34.) hatten die 2:0-Führung erzielt und damit jene beiden Offensivspieler, deren Zukunft beim FC Bayern offen ist. Durch Emre Cans 2:1 per Foulelfmeter (52.) wurde es noch einmal spannend. Die Borussia näherte sich dem 2:2 an und hätte eigentlich einen zweiten Elfmeter bekommen müssen, als Benjamin Pavard strafwürdig gegen Jude Bellingham grätschte. Doch am Ende reichte es für Bayerns vorzeitigen Gewinn des Meistertitels auch, weil der eingewechselte Jamal Musiala zum spielentscheidenden 3:1 traf (83.). »Wir haben wieder gezeigt, dass wir besser sind«, befand Lewandowski, 33. Seine Zukunft ließ der Weltfußballer erneut offen. »Wahrscheinlich passiert etwas«, sagte er recht kryptisch, »das ist eine nicht so leichte Situation für mich«.

In Kürze soll es ein Gespräch geben, bisher wurde noch nicht verhandelt, bestätigte Salihamidzic am Sonntag. Zugleich verwies er auf die schwierige Marktlage durch die Pandemie, durch »sinkende Einnahmen und steigende Gehälter«. Man müsse dem FC Bayern auch zugestehen zu schauen, »wie viel Geld haben wir«, sagte Salihamidzic und ergänzte: »Wir können nicht den Klub in den Ruin treiben.« Auch das klang nach komplizierten Gesprächen mit Lewandowski und wohl ebenso mit Gnabry. Bei Müller und Manuel Neuer deutet derweil viel auf eine Ausdehnung der ebenfalls Mitte 2023 auslaufenden Arbeitspapiere hin. Die Rekordmeisterserie soll aus Sicht der Bayern auf jeden Fall weitergehen.

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