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Befriedung der besonderen Art

Die politischen Strategien rund um den 1. Mai in Berlin sind interessant

  • Von Claudia Krieg
  • Lesedauer: 2 Min.
Bei Wut und Empörung über soziale Ungerechtigkeit hilft kein Luftballon und keine Hüpfburg.
Bei Wut und Empörung über soziale Ungerechtigkeit hilft kein Luftballon und keine Hüpfburg.

Es bleibt spannend im Vorfeld des 1. Mai in Berlin, der in diesem Jahr wieder ohne Corona-Auflagen, aber durchaus mit Einschränkungen stattfinden wird. Zumindest rund um die noch immer mit einer gewissen Aufregung verbundene Revolutionäre 1. Mai-Demonstration lautet die Frage diesmal: Zirkus oder Klassenkampf? Was auch immer man seitens der Behörden dazu verlautbart: Reiner Zufall ist es nicht, dass der Großteil offizieller Kinder- und Familienfeste, die der Bezirk veranstaltet, entlang der Route liegen, auf der die im vergangenen Jahr massiv von Polizeieinsätzen begleitete und schließlich frühzeitig aufgelöste Demonstration verlief. Die Strategie, Orte mit als besonders friedlich geltenden Veranstaltungen zu besetzen und darauf zu hoffen, dass sich Menschen, denen der Tag nicht nur als Feier- sondern sehr wohl als Kampftag gilt, dann eher Luftballons aufpusten als ihrer Wut auf die Verhältnisse lauthals Luft zu machen, könnte allerdings nach hinten losgehen.

Denn genauso wenig zufällig ist es, dass Demonstrationen für soziale Gerechtigkeit in einem der migrantischsten Bezirke, der gerade im Norden auch stark von linken Bewegungen geprägt ist, stattfinden. Nirgendwo sonst dürfte die Teilnahme so zahlreich sein wie hier, wenn es darum geht, Zeichen zu setzen gegen Rassismus und Diskriminierung oder Mietenwahnsinn und Verdrängung durch Gentrifizierung. Die Empörung gegen Stigmatisierung und Benachteiligung, an der auch zahlreiche Bezirkspolitiker *innen mit ihren politischen Äußerungen immer wieder Anteil haben, wird sich nicht mit Hüpfburgen befrieden lassen. Dafür steht der 1. Mai - gerade in Berlin.

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