Buga in Geld- und Zeitnot

Wird Bundesgartenschau Rostock abgesagt oder von verschoben? Kosten steigen um 30 Prozent

  • Hagen Jung
  • Lesedauer: 4 Min.

Für Unruhe sorgen derzeit Finanz- und Zeitprobleme in der Vorbereitung der Großveranstaltung, von der sich Rostock eine Aufwertung seines Images, einen Zustrom von Besuchern und damit verbundene Eintrittsgelder erhofft, in der Schweriner Landesregierung. Das Land Mecklenburg-Vorpommern hatte den Machern der Bundesgartenschau (Buga) für das Vorhaben, das nach derzeitiger Planung mindestens 140 Millionen Euro verschlingen wird, Fördermittel von gut 60 Millionen Euro zugesagt; 14 Millionen kommen vom Bund, 68 Millionen von der Stadt. Um Näheres über den Stand der Dinge zu erfahren, hatte der für die Schau seitens der Landesregierung zuständige Agrarminister Till Backhaus (SPD) Vertreter der Hansestadt und der Buga-Geschäftsführung vergangene Woche zu einem Krisengespräch gebeten.

Eine Risikoanalyse möge die Stadt vorlegen, hatte Backhaus gefordert, im Klartext: Er wollte wissen, ob die Schau unter den gegenwärtigen Bedingungen überhaupt noch durchführbar sei. Er erfuhr dabei, dass sich die kalkulierten 140 Millionen Euro Gesamtausgaben höchstwahrscheinlich nicht halten lassen. Eher müsse mit einer Kostensteigerung um 30 Prozent gerechnet werden. Das sei nicht zuletzt auf die Corona-Pandemie und den Krieg Russlands gegen die Ukraine zurückzuführen, warb Rostocks Oberbürgermeister Claus Ruhe Madsen (parteilos) um Verständnis. Es sei schwierig, angesichts solch schwerwiegender Ereignisse realistisch zu kalkulieren.

Hoffnungen auf weitere Hilfe vom Land darf sich die Stadt aber nicht machen. Mehr als die bereits zugesagten Mittel werde es nicht geben, stellt Backhaus klar. Vielmehr binde das Land seine Zuwendung an die Auflage, dass die Buga-Projekte Warnowbrücke, Stadtpark, Stadthafen nebst Hochwasserschutz und ein Teilbereich des künftigen Wohngebiets »Warnow-Quartier« bis zum Beginn der Gartenschau fertiggestellt sind. Und diese müsse 2025 stattfinden, betonte der Ressortchef und wandte sich deutlich gegen eine Verschiebung in ein späteres Jahr. Diese Möglichkeit war von einigen Akteuren ins Gespräch gebracht worden.

Mittlerweile hat sich der Aufsichtsrat der Buga Rostock mit deren Problemen befasst. Der Vorsitzende jenes Gremiums, OB Madsen, hatte zuvor die Frage aufgeworfen, ob es ratsam sei, die Planungen für die Schau rasch zu beenden. Doch dem nach mehrstündiger Sitzung des Aufsichtsrates vergangenen Donnerstag gefassten Beschluss zufolge soll geprüft werden, ob und in welchem Umfang die Schau trotz aller Hemmnisse stattfinden kann. Bis zum Beginn der Parlamentsferien im Juni soll ein Buga-Konzept erstellt werden. Dieses müsse Abstriche und Sparvorschläge enthalten, mahnte Buga-Geschäftsführer Oliver Fudickar.

Aufsichtsrat und Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) verständigten sich darauf, in den kommenden Monaten vier Varianten zu erstellen und zu beleuchten, in denen die Schau über die Bühne gehen könnte. Notwendige Gespräche mit Politik und Fördermittelgebern sollen kurzfristig geführt werden. Dabei geht es um Szenarien, die von einer kompletten Verschiebung der Schau auf 2026 oder 2028 bis zu einer Verlegung auf das Gelände der Internationalen Gartenschau (IGA), die 2003 in Rostock stattgefunden hatte, im Jahr 2025 oder 2026 reichen. Eine Buga 2026 im »Rostocker Oval« als alleinige, eintrittspflichtige Veranstaltungsfläche sei angesichts der unlängst vorgelegten Risikoanalyse nicht mehr realistisch, hieß es aus dem Aufsichtsrat.

Noch am Tag vor der Aufsichtsratssitzung hatte OB Madsen erklärt, die Buga sei unter den gegenwärtigen Umständen nicht machbar. Er bezog sich dabei auf die Auswirkungen der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. Diese brächten unüberschaubare Preissteigerungen für Baumaterialien oder auch Planungsleistungen mit sich. »Wenn die Buga dazu führt, dass sich die Stadt überschuldet, dann muss ich als Bürgermeister sagen, dass ich das nicht verantworten kann.« Doch sei und bleibe die Buga eine einmalige Chance zur Beschleunigung der Stadtentwicklung, sagte Madsen später. Dabei gehe es nicht nur um Gartenschau-Projekte. So sei beispielsweise auch der Hochwasserschutz für den Stadthafen eine Aufgabe, die nicht von den Buga-Planungen getrennt werden könne. »Mit einem innovativen Veranstaltungskonzept und der nachhaltigen Stadt- und Freiraumentwicklung werden wir Rostock im In- und Ausland positionieren. Wir müssen in den kommenden Wochen gemeinsam über die Optionen sprechen und pragmatische Entscheidungen auf den Weg bringen«, erklärte Madsen.

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