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In der Minderheit

Curitibas Stadtrat Renato Freitas fliegt nach Aktion gegen Rassismus

  • Von Peter Steiniger
  • Lesedauer: 3 Min.
Foto: Carlos Costa/CMC
Foto: Carlos Costa/CMC

Abge­se­hen von der Mes­se ist Curi­ti­bas kon­ser­va­ti­ven Poli­ti­kern wenig hei­lig. Wie­der­holt muss­te der Ethik­rat des Stadt­rats der Metro­po­le im süd­bra­si­lia­ni­schen Bun­des­staat Paraná nach tie­fen Grif­fen in öffent­li­che Kas­sen, Stim­men­kauf und ähn­lich unmo­ra­li­schen Ver­ge­hen tätig wer­den. Das gab dann schon mal eine klei­ne Ver­war­nung, bevor alles so wei­ter­lief wie immer.

Völ­lig anders sieht es im Fall Rena­to Frei­tas aus. Am Mitt­woch beschloss das Gre­mi­um, erst­mals von der Höchst­stra­fe Gebrauch zu machen und dem Stadt­ver­ord­ne­ten von der Arbei­ter­par­tei PT das Man­dat zu ent­zie­hen. Eine Bestä­ti­gung des Aus­schlus­ses durch das Ple­num gilt als sicher. Ins Abseits gestellt hat Frei­tas sich in den Augen sei­ner kon­ser­va­ti­ven Kol­le­gen dadurch, dass er mit einer Hand­voll Demons­tran­ten fried­lich in Curi­ti­bas Rosá­rio-Kir­che spa­zier­te und dort eine kur­ze Rede hielt. Die Akti­on rich­te­te sich gegen den Ras­sis­mus und erin­ner­te an den kon­go­le­si­schen Ein­wan­de­rer Moï­se Kaba­gam­be, der am 24. Janu­ar in Rio von einem Bar­be­sit­zer und des­sen Hel­fern tot­ge­schla­gen wur­de, als er aus­ste­hen­den Lohn ein­for­der­te. Die fei­nen Herr­schaf­ten im Stadt­rat, von denen sich Frei­tas poli­tisch, cha­rak­ter­lich, nach Haut­far­be, sozia­ler Her­kunft und als Bewoh­ner der ärme­ren städ­ti­schen Peri­phe­rie gründ­lich unter­schei­det, spre­chen von einem Akt des Van­da­lis­mus wäh­rend der hei­li­gen Mes­se – obwohl der Poli­ti­ker nicht ins Hoch­amt geplatzt war. Ihre reli­giö­sen Gefüh­le lie­ßen den Mit­glie­dern des Ethik­rats kei­ne ande­re Wahl. Da half es auch nichts, dass die Erz­diö­ze­se um Mil­de für Frei­tas bat.

Erst Anfang des ver­gan­ge­nen Jah­res war der 1982 in Soro­ca­ba im Hin­ter­land von São Pau­lo gebo­re­ne Rechts­wis­sen­schaft­ler und Straf­ver­tei­di­ger erst­mals in Curi­ti­bas Stadt­ver­ord­ne­ten­ver­samm­lung gewählt wor­den. Bil­dung, Woh­nen und der Ein­satz für die unter­drück­te und aus­ge­beu­te­te schwar­ze Jugend sind hier sei­ne Schwer­punk­te. Frei­tas erhält jetzt viel Soli­da­ri­tät, sei­nen Kampf auf­ge­ben wird er nicht.

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