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Schneller Sieg für Washington

Peter Steiniger zu Finnlands eiligem Weg zur Mitgliedschaft in der Nato

  • Von Peter Steiniger
  • Lesedauer: 3 Min.
Finnlands Militär nimmt bereits regelmäßig an Nato-Übungen teil.
Finnlands Militär nimmt bereits regelmäßig an Nato-Übungen teil.

Hut ab: Was US-Denk­fa­bri­ken und trans­at­lan­ti­sche Lob­by­grup­pen in Jahr­zehn­ten nicht schaff­ten, das schaff­te der Kreml in weni­gen Tagen. Die öffent­li­che Mei­nung in Schwe­den und noch stär­ker in Finn­land hat sich durch den Ukrai­ne-Krieg zuguns­ten der Nato-Freun­de ver­scho­ben. Die Regie­run­gen der bei­den nor­di­schen Län­der sind auf den Zug auf­ge­sprun­gen. Leit­me­di­en und kon­ser­va­ti­ve Poli­ti­ker fah­ren Kri­ti­kern über den Mund und hel­fen den Sozi­al­de­mo­kra­ten in Hel­sin­ki und Stock­holm beim Lösen des Tickets. Russ­lands Nach­bar Finn­land hat es beson­ders eilig, Mit­glied der US-geführ­ten Alli­anz zu wer­den. Bei den gro­ßen Fra­gen wer­den die Fin­nen dort so wenig zu mel­den haben wie Deut­sche und Franzosen.

Ein­ge­tre­ten ist einer der Fäl­le, für den die – durch­aus wehr­haf­te, durch­aus nicht neu­tra­le – Bünd­nis­frei­heit der bei­den nor­di­schen Staa­ten vor­ge­se­hen ist. Mit die­sem Kon­zept sind sie im letz­ten Kal­ten Krieg nicht schlecht gefah­ren. Auch ohne Nato stün­den sie heu­te im Fall des Fal­les nicht allein. Der Bei­tritt bringt Finn­land kei­nen ech­ten sicher­heits­po­li­ti­schen Mehr­wert, son­dern erhöht die Span­nun­gen. Jeder Zwi­schen­fall erhält damit ein ganz ande­res Eska­la­ti­ons­po­ten­zi­al. Eine 1340 Kilo­me­ter lan­ge Gren­ze trennt wie­der Fein­de. Finn­land begibt sich kei­nes­wegs in einen Pakt lupen­rei­ner Demo­kra­tien, wie ein Blick nach Ost­eu­ro­pa und zur Tür­kei zeigt. Dass die Nato nicht rein defen­siv aus­ge­rich­tet, son­dern Schild und Schwert ist, hat sie mit ille­ga­len Angriffs­krie­gen viel­fach bewie­sen. Eine Mit­glied­schaft dort nimmt Hel­sin­ki poli­ti­sche Spiel­räu­me, dient dem mili­tä­risch-indus­tri­el­len Kom­plex und scha­det dem UN-Kern­waf­fen­ver­bots­ver­trag. Die­ser Schritt ist auch eine Fol­ge der auf Markt­ex­pan­si­on gerich­te­ten EU-Poli­tik, die kein Sys­tem zuließ, das bis zum Ural kol­lek­ti­ve Sicher­heit garantiert.

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