Jahrzehntelanger Rückstand

Nicolas Šustr über den Ausbau der Eisenbahn in Berlin und Brandenburg

Der Prellbock der Stammbahn am ehemaligen Bahnhof Düppel steht noch.
Der Prellbock der Stammbahn am ehemaligen Bahnhof Düppel steht noch.

Man kann nur froh sein, dass in Berlin mit Bettina Jarasch (Grüne) nun eine Politikerin das Amt der Mobilitätssenatorin innehat, die ihr Geschäft versteht. Fünf Monate nach ihrer Einführung in das Amt hat sie gemeinsam mit ihrem brandenburgischen Amtskollegen Guido Beermann (CDU) ein Problem für den Eisenbahn-Ausbau abgeräumt, das die Vorgängerinnen in beiden Ländern jahrelang ausgesessen haben.

Der Weg ist frei für die konkretere Planung von zwei wichtigen Eisenbahnkorridoren der Region. Zum einen die Potsdamer Stammbahn als Entlastung für die wichtige Verbindung von Berlin nach Potsdam und weit darüber hinaus. Zum anderen der Korridor von der Hauptstadt nach Hennigsdorf und weiter in die Prignitz.

Dass bis zur letzten Minute bei den Berliner Haushaltsverhandlungen nicht klar war, ob genügend Geld für die Weiterführung der Planungen für die vielen Korridore des Infrastrukturausbauprojekts i2030 zur Verfügung stehen würde, ist bitter. Vor allem, wenn man sich vor Augen hält, dass der Bund gerade 2,5 Milliarden Euro für ein verkehrspolitisches Strohfeuer namens 9-Euro-Ticket verbrennt. Die Sorgen, dass wegen mangelnder Kapazitäten im Nahverkehr ein möglicher Fahrgastansturm eher Kundinnen und Kunden abschreckt als neue gewinnt, sind dabei nicht unbegründet.

Von der Idee bis zur Umsetzung des Ausbaus der Eisenbahn-Infrastruktur vergehen mindestens 15 Jahre. Wegen fehlenden Planern, komplizierten Genehmigungsprozessen, mangelnden Baukapazitäten und Finanzierungsengpässen. Zumindest die Geldfrage müssen Bundesregierung und Bundestag schnell entschärfen. Es sind schon genug Jahrzehnte verplempert worden.

Dass Ausbau etwas bringt, zeigt die Schweiz, wo die Menschen statistisch jährlich fast doppelt so weit Bahn fahren wie in Deutschland. Dort hat man aber auch schon 1987 mit einem massiven und vor allem planvollen Programm begonnen. Angesichts der Klimakrise haben wir aber keine 35 Jahre mehr, um hier einen großen Schritt vorwärts zu kommen.

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