Momente der Hilflosigkeit

Rainer Rutz über die neue Strategie der Berliner Bildungsverwaltung gegen den Lehrkräftemangel in der Stadt

Voller Lernspaß in vollen Klassen: Viele Lehrkräfte gehen auf dem Zahnfleisch. Auch ein Grund für das Mangelsystem.
Voller Lernspaß in vollen Klassen: Viele Lehrkräfte gehen auf dem Zahnfleisch. Auch ein Grund für das Mangelsystem.

Geteiltes Leid ist halbes Leid, lautet sinngemäß das Motto des neuen Steuerungsmechanismus, mit dem Berlins Bildungssenatorin Astrid-Sabine Busse (SPD) den Lehrkräftemangel für besonders betroffene Schulen etwas erträglicher machen will. Bewerberinnen und Bewerber um einen Job im hauptstädtischen Schuluniversum sollen nun also gezielt dort eingesetzt werden, wo die Personallücke besonders groß ist. Die Idee scheint vordergründig vernünftig. Zugleich ist sie aber ein Eingeständnis der Bildungsverwaltung, mit den bisherigen Konzepten der Lehrkräftewerbung nicht mehr weiterzukommen.

Die Hoffnungen der Regierenden Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und ihrer Senatorin ruhten von Beginn an auf der Wiedereinführung der vor Jahrzehnten abgeschafften Verbeamtung der Lehrkräfte. Und ganz schnell sollte es gehen. So hatte Busse im Februar noch prophezeit: »Damit ist sicher erst mal ein Stopp gegeben.« Und: »Vielleicht geht die eine oder der andere noch aus Liebe ins Emsland. Aber das ist dann völlig marginal.« Daran glaubt die Senatorin weiterhin. Den Zeitpunkt für die Erfüllung ihrer Prophezeiung hat sie allerdings gerade auffällig in die etwas fernere Zukunft verschoben. Zunächst droht eine Personallücke, die die des vorigen Jahres sogar noch übertrifft.

Zur Wahrheit gehört aber dazu, dass Busse den Mangel in der Form nicht zu verantworten hat. Denn eine der Hauptursachen hierfür ist die jahrelange Vernachlässigung der Lehrkräftebildung an Berlins Hochschulen. Die sind zwar mit sehr viel Geld zu Standorten der Exzellenzforschung ausgebaut worden, um so profane »Dienstleistungsbereiche« wie das Lehramtsstudium hat man sich aber viel zu lange kaum geschert. Der Senat müht sich nun, vielleicht sogar redlich, die Absolventenzahlen zu erhöhen. Allein: Bis diese Bemühungen fruchten, dürften noch einmal Jahre ins Land gehen. Nämlich entsprechende Studienjahre.

Vermutlich wäre es am ehrlichsten, wenn Busse erklären würde: Bis dahin wird das nichts mit einer befriedigenden Fachkräfteausstattung der Schulen, bedankt euch bei den Vorgänger-Senaten!

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