Die beste Musik

»Monarchie und Alltag«, das berühmte Debütalbum der Fehlfarben, gibt es jetzt als Comic

  • Von Christof Meueler
  • Lesedauer: 2 Min.
Lieder, die zu Liebesbriefen werden: »Das sind Geschichten«, gezeichnet und interpretiert von Anke Kuhl
Lieder, die zu Liebesbriefen werden: »Das sind Geschichten«, gezeichnet und interpretiert von Anke Kuhl

»Und wir tanzten bis zum Ende / Zum Herzschlag der besten Musik. / Jeden Abend, jeden Tag, / wir dachten schon, dass ist der Sieg«, sangen die Fehlfarben in ihrem Lied »Das war vor Jahren«. Und genau so war es: 1980, auf »Monarchie und Alltag«, ihrem ergreifenden Post-Punk-Debütalbum. Viele Menschen halten diese Platte noch immer für eine der besten, die hierzulande jemals erschienen sind. Wer sie nicht kennt, kennt zumindest den NDW-Hit »Es geht voran«.

In der damaligen Info zur Platte stand »Glaubt uns nichts, wir glauben auch nichts«. Vielleicht war das Grund, warum ihre Texte direkt in Liebesbriefe einflossen oder gleich als Original-Liebesbriefe ausgegeben wurden? »Ich kenne das Leben, ich bin im Kino gewesen«… »Die zweite Hälfte des Himmels könnt ihr haben, das Hier und das Jetzt, das behalte ich«… »Ich brauch’ deinen Schutz, ich möcht’ dich beschützen. Ich hab› dich nötig, will dich nicht benützen«.

Das war ein völlig neuer Ton, berührend und cool zugleich, einzigartig getextet und gesungen von Peter Hein, einem der Besten überhaupt. So gut, dass er nach der Platte sagte: Nein, keine Lust auf Rockstar. Er wollte lieber weiter als Bürokaufmann arbeiten und verließ die Band – »zum allgemeinen Entsetzen der Gemeinde«, wie damals »Sounds« schrieb. Der ewige Phantomschmerz der deutschen Poplinken, denn dann kamen Grönemeyer, Westernhagen und Niedecken und räumten mit ihrem Deutschrock ab. Die nächste große Hoffnung waren Blumfeld, Anfang der 90er Jahre.

»Monarchie und Alltag« gibt es nun zum Anschauen. Jeder der allesamt legendär gewordenen 11 Songs wird zu einem Comic, gezeichnet von Anke Kuhl, Anna Sommer, Minou Zaribaf, Karolina Chyzewska, Nicolas Mahler, Tine Fetz, Andreas Michalke und anderen. Dazu gibt es noch ein paar Erläuterungen von Peter Hein und Thomas Schwebel (dem Gitarristen, der dann Heins Nachfolger als Sänger werden musste). Anna Sommer schreibt: »Unmöglich, sich den Gefühlen und Bildern zu entziehen, welche die Songs unweigerlich auslösen. Und das Schöne daran ist, dass es jedes Mal aufs Neue geschieht, mit der gleichen Wucht, sobald die ersten Töne des Songs erklingen.«

Gunther Buskies / Jonas Engelmann / Peter Hein (Hg.): Monarchie und Alltag. Ein Fehlfarben-Songcomic. Ventil Verlag, 128 S., geb., 25 €

Buchvorstellung: Do. 2.6., 20 Uhr in der Bibliothek am Luisenbad, Badstr. 39, Berlin

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