Herz für Kinder

Dmitri Muratow versteigert seine Nobelpreismedaille für geflüchtete Kinder aus der Ukraine

Dmitri Muratow und Maria Ressa bei der Verleihung des Friedensnobelpreises im vergangenen Dezember. Die Medaille wurde jetzt für einen Rekordpreis von 103,5 Millionen US-Dollar versteigert.
Dmitri Muratow und Maria Ressa bei der Verleihung des Friedensnobelpreises im vergangenen Dezember. Die Medaille wurde jetzt für einen Rekordpreis von 103,5 Millionen US-Dollar versteigert.

Dmitri Muratow ist so etwas wie das Gewissen des russischen Journalismus. Als Chefredakteur der »Nowaja Gazeta« legte er gemeinsam mit seinen Kolleg*innen den Finger in die Wunden der russischen Gesellschaft. Im In- und Ausland erhielt die Zeitung dafür viel Anerkennung. Muratow wurde zu einer Person, die sich einmischte und für die Pressefreiheit in Russland kämpfte. Und zu einem politischen Schwergewicht, zu jemandem, den der Staat nicht anfasste.

Die Verleihung des Friedensnobelpreises »für die Verteidigung der Meinungsfreiheit« im vergangenen Jahr kam dennoch überraschend. Das Preisgeld von rund 470 000 Euro spendete er damals für die medizinische Versorgung von Journalist*innen und an Kinderhospize.

Als Russland die Ukraine angriff, rief Muratow dazu auf, den Krieg zu beenden. Ende März stellte die »Nowaja Gazeta« ihre Arbeit ein, offiziell weil sie von der Zensurbehörde Roskomnadsor wiederholt wegen der fehlenden Markierung »ausländischer Agenten« verwarnt wurde.

Am Montag versteigerte Muratow in New York seine Friedensnobelpreismedaille. Mit dem Verkauf wolle er auf gewisse Weise das Schicksal der Geflüchteten teilen, die viele Erinnerungsstücke und ihre Vergangenheit verloren haben, erklärte Muratow seinen Schritt. Auf zwei Millionen US-Dollar hatte er den Wert zuvor geschätzt. Am Ende ersteigerte ein anonymer Bieter die Medaille für 103,5 Millionen US-Dollar. Das Geld geht an das UN-Kinderhilfswerk Unicef, das es in Ländern einsetzt, in denen sich geflüchtete ukrainische Kinder aufhalten. Er wünsche sich, dass die Menschen ihre Reliquen verkaufen, um anderen zu helfen, forderte Muratow die Anwesenden auf. Es helfe, sich vorzustellen, dass ein Kind aus Mariupol, das verzweifelt versucht, seine Eltern zu kontaktieren, das eigene sei.

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