Mit Lohndumping zum Zuschlag

Ford-Werk in Saarlouis geht bei Elektroautoplänen leer aus – IG Metall protestiert

Das Ford-Logo auf dem Parkplatz des Werks Saarlouis, dessen Ende nun praktisch beschlossen ist.
Das Ford-Logo auf dem Parkplatz des Werks Saarlouis, dessen Ende nun praktisch beschlossen ist.

Die Entscheidung von Ford für die Produktion von E-Automodellen in der spanischen Gemeinde Almussafes (Valencia) ist gefallen. Damit wurde praktisch das Ende des Werks in Saarlouis beschlossen. Finster sind die Zukunftsaussichten nicht nur für die 4600 Beschäftigten bei Ford, sondern auch für etwa 2000 Beschäftigte bei Zulieferern im Saarland. Es ist sehr wahrscheinlich, dass der US-Autokonzern in drei Jahren die Autoproduktion in Saarlouis einstellen wird. Genau das hatten einige auch in Valencia erwartet.

Vor der Entscheidung von Ford für die E-Autoproduktion in Almussafes hatten Beobachter mittelfristig eine mögliche Schließung einer der langlebigsten Automobilfabriken in Spanien befürchtet. Der Bau der bisherigen Modelle sollte sukzessive eingestellt werden. Bis ins Jahr 2025 wird nur noch der »Kuga« produziert, der nur etwa die Hälfte der derzeitigen Produktion ausmacht.

Jetzt, da E-Automodelle in Almussafes gebaut werden sollen, sei die »Zukunft« von »zehntausenden direkten und indirekten Arbeitsplätzen« in Valencia gesichert, erklärte die Mehrheitsgewerkschaft UGT im Ford-Werk Almussafes. Die UGT feiert ihren Sieg über die IG Metall im Dumpingwettbewerb. Die Gewerkschaft, die den Sozialdemokraten in der spanischen Regierung nahesteht, spricht von einer »enormen Erleichterung«, nachdem Almussafes den Zuschlag erhalten hat. Es sei eine »großartige Nachricht«, dass der multinationale Konzern das Werk in Valencia für die Produktion ausgewählt habe. Als die »wahren Baumeister« der Entscheidung wurden die 6000 Beschäftigten herausgestrichen, die den Entschluss mit der »Qualität ihrer Arbeit« sowie den Anstrengungen und Opfern der letzten Jahre ermöglicht hätten.

»Ford hat die Standorte Saarlouis und Valencia eiskalt in einen Dumpingwettbewerb gezwungen«, kritisierte dagegen der IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Er warf dem US-Autokonzern »unsoziales Verhalten« vor. »Wer die geringsten Kosten, die niedrigsten Löhne, die geringsten Steuern und Abgaben, aber die meisten Subventionen anbietet, der gewinnt«, erklärte er.

Allerdings haben sich auch der Betriebsrat und die IG Metall auf das Spiel eingelassen. Angesichts eines ohnehin deutlich niedrigeren Lohnniveaus in Spanien hatte man im Saarland von vornherein schlechtere Karten. Multinationale Konzerne spielen die Standorte immer stärker gegeneinander aus, eine gewerkschaftliche Gegenstrategie fehlt dagegen vollständig.

Zwar spricht auch die kleinere Gewerkschaft STM davon, dass dem Werk in Valencia nun eine Vorreiterrolle zukomme. Doch die Gewerkschaft verweist auch darauf, dass die neuen Fahrzeugmodelle noch nicht genehmigt wurden und es noch zu früh sei, weitere Einzelheiten zur Produktion zu erfahren. Die STM verweist auch auf die »enormen Kürzungen«, die Ford im Januar im neuen Tarifvertrag mit der UGT ausgehandelt habe. Das lehnten sie und andere Gewerkschaften ab und solidarisierten sich mit den Beschäftigten im Saarland.

Das von der UGT vereinbarte Lohndumping wird als Basis für die Entscheidung des Konzerns gesehen. Denn die UGT schluckte viele Kröten. So wurde die zuvor vereinbarte Anbindung der Löhne an die Inflationsrate bis 2025 ausgesetzt. Das bedeutet bei einer Preissteigerung von fast zehn Prozent in Spanien einen weiteren deutlichen Kaufkraftverlust für die Belegschaft. Erhalten haben die Beschäftigten in diesem Jahr stattdessen nur eine Einmalzahlung von 1000 Euro, die den Verlust bei weitem nicht ausgleicht.

Die STM macht die UGT für die Kürzungen verantwortlich. Die sozialdemokratische Gewerkschaft halte den »sozialen Frieden« hoch, weshalb sie bei Vereinbarungen immer neue Kürzungen akzeptiere. Während die Beschäftigten ständig »Opfer erbringen«, stünden auf der anderen Seite aber »riesige Gewinne«. Mit der STM kritisieren auch die anarchosyndikalistische CGT und sogar die größte spanische Gewerkschaft CCOO den strategischen Partner UGT. Auch die CCOO hält die Kürzungen für »unnötig«, denn Almussafes sei längst das konkurrenzfähigste Ford-Werk gewesen. Die STM fürchtet mit Blick auf 2025, dass weitere Kürzungen bevorstehen, da der Ford-Konzern die Dynamik vermutlich weiter zu seinen Gunsten nutzen will. Man werde sich dem »Teufelskreis« entgegenstellen, kündigt STM an.

Klar ist längst, dass auch das Werk in Almussafes »umstrukturiert« wird. Das hat Ford-Chef Stuart Rowley bereits angekündigt. Auch in Valencia wird es Tränen geben, da der Produktionsprozess für Elektrofahrzeuge »weniger Mitarbeiter erfordert als die Produktion eines Standardmodells«, wie Rowley zugab. Was die Frage angeht, woher die Batterien kommen sollen, blieb der Ford-Chef nebulös. Er vermied es, einen Lieferanten zu nennen und verwies lediglich auf mehrere »potenzielle Quellen«. Das Unternehmen werde versuchen, »diese Komponenten im Inland aus Europa zu liefern«.

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