Die verkaufte Stadt

Sihanoukville war einst ein beschaulicher Küstenort. Ein chinesischer Bauboom hat das Gesicht der kambodschanischen Stadt radikal verändert, doch Corona sorgte vorerst für Stillstand

  • Von Thomas Berger, Sihanoukville
  • Lesedauer: 12 Min.
Die Stadt wurde zu einer Art chinesischem Las Vegas mit vielen Casinos. Vor einem der größten stehen als Lockmittel die zu gewinnenden Pkw.
Die Stadt wurde zu einer Art chinesischem Las Vegas mit vielen Casinos. Vor einem der größten stehen als Lockmittel die zu gewinnenden Pkw.

Es gab Zeiten, da hatte Sihanoukville einen Namen als erholsamer Rückzugsort. Einheimische sowie europäische und australische Touristen trafen sich an den vier, fünf einladenden langen Stränden, die sich in gewisser Distanz um ein rudimentäres Stadtzentrum mit dem beherrschenden Tempel, der Wat-Leu-Pagode, gruppierten. Doch die Ära dieses Verbunds aus einem überschaubaren lokalen Siedlungsnetz und wenigen Knotenpunkten ist vorbei.

Schon ab den Zehnerjahren setzte ein Bauboom ein, den Einwohner wie Besucher mit Erwartungen und Argwohn verfolgten. Inzwischen ist Sihanoukville nicht mehr wiederzuerkennen. Denn es sind nicht nur ein paar neue Hotels und andere Anlagen, die da in der Zwischenzeit entstanden sind – Investoren aus China haben gewissermaßen eine völlig neue Stadt erschaffen. Beim Rundgang hat man immer wieder die Frage auf den Lippen, ob man sich eigentlich noch in Kambodscha befindet oder eher irgendwo in der chinesischen Provinz. Schon die Hauptstraßen der gesamten Innenstadt wirken zum Teil breiter als die Boulevards in der sechs Busstunden entfernen Metropole Phnom Penh. Mit dem Unterschied, dass der Verkehr in Sihanoukville recht geruhsam über drei Spuren pro Richtungsfahrbahn rollt, in der Hauptstadt aber in weiten Phasen des Tages Stop-and-go herrscht.

Ein hochmodernes Häusermeer zieht sich auf beiden Seiten dieser breiten Verkehrswege entlang. Knapp zwei Drittel der neuen Gebäude sind fertig, beherbergen in erster Linie Hotels, Casinos und ähnliche Einrichtungen, während das verbleibende Drittel momentan als mutmaßliche Investruinen erscheint – Rohbauten und halb fertige Baustellen, auf denen kompletter Stillstand herrscht. Die Coronakrise mit ihren Auswirkungen hat den fragwürdigen Boom unterbrochen. Was zum Teil mit etwas abgebremstem Tempo 2020 noch fortgeführt wurde, kam spätestens im vorigen Jahr zum Erliegen, bis heute. Zudem wird selbst das Fertige, schon in Betrieb Genommene kaum genutzt. Die Pandemie ließ schlagartig jene chinesischen Gäste ausbleiben, für die all diese Investitionen reicher Landsleute gedacht sind.

Als Sinnbild des Halbfertigen, Unterbrochenen, Eingefrorenen kann die Street 200 gelten. Die Straße, die auch den Zweitnamen 7 Makara Street trägt, zweigt am Kreisverkehr mit der Statue der beiden goldenen Löwen in der Mitte von der Hauptmagistrale Street 100 (alias Ekareach Street) ab und führt in einem weiten Bogen wieder zu ihr zurück. Die ersten Gebäude jenseits des imposanten Kreisels sind zwar fertig, doch bereits nach 100 bis 200 Metern ändert sich das Bild. Selbst der breite Bürgersteig ist plötzlich zu Ende, stattdessen fällt neben der immerhin schon betonierten Fahrbahn in der Mitte der Blick auf oben noch offene, aber schon eingefasste Gräben für Abwasserkanal und Kabelleitungen, während beiderseits der Straße Rohbauten über zehn, zwölf und mehr Etagen ihre tristen, grauen Wände mit breiten Öffnungen, noch ohne Fenster, Türen und andere Details, in die brennende Mittagssonne recken.

Halb fertige und leer stehende Gebäude

In einer größeren Baulücke links fallen wiederum einige Flachbauten auf. Ein paar minimalistische Läden liegen vorgelagert direkt am Straßenrand, wo in Töpfen und Pfannen verschiedene Gerichte garen, eine Frau Kleidungsstücke sortiert, nebenan Handwerks- und Gebrauchsartikel angeboten werden. In den beiden lang gezogenen Eingeschossern dahinter liegen Wohnungen, in denen jeweils eine ganze Familie in einem einzigen Zimmer von vielleicht acht oder zehn Quadratmetern lebt. Durch eine offene Tür fällt der Blick auf spielende Kinder, draußen hängt Wäsche auf der Leine – wohl aus dem Waschsalon als Gemeinschaftseinrichtung, von dem eine Aufschrift kündet. Das Doppelgebäude ist einer der wenigen Orte im Stadtzentrum, wo sich die einheimischen Bewohner noch halten können. Die Betonung liegt dabei auf »noch«.

Während die Verständigung mit den Bewohnern dieser Mini-Unterkünfte schwierig ist, spricht Nita immerhin ein rudimentäres Englisch. Ein kleines Stück weiter sitzt sie vor einem simplen Zweigeschosser, dessen Hauptteil die »Moon Light Bar« im Erdgeschoss einnimmt. »Die hat erst seit wenigen Wochen auf«, erzählt die 42-Jährige. »Wir leben in einer kleinen Wohnung in der Etage oben drüber.« Mit »wir« meint sie sich selbst, ihren Mann Resa (40) und den siebenjährigen Sohn, der in einer Ecke spielt.

Nita hat für den neugierigen Frager einen hellblauen Plastikstuhl aufgestellt, und während sie erklärt, schneidet sie Obst. Mit dem Mini-Imbiss sichert sich die Familie ein schmales Einkommen. »Kundschaft sind die Beschäftigten aus der Bar«, sagt Nita beim Schälen einer Ananas, dazu ein paar Leute aus dem Umfeld. »Und vielleicht mal einer aus dem Guesthouse gegenüber, wenn da gerade jemand absteigt.« Der Eigentümer der Bar sei ein Kambodschaner mit chinesischen Vorfahren, merkt Nita an, die sich mit der Ungewissheit der momentanen Lage arrangiert hat, kurz den Blick auf die halb fertigen Hochhäuser schräg gegenüber lenkt. »Es könnte noch gut werden, wenn all das hier fertig wird. Dann gibt es richtig Arbeit«, spricht sich Ehemann Resa scheinbar selbst etwas Hoffnung zu.

Im weiteren Straßenverlauf reihen sich auf der gleichen Seite vor allem Schönheitssalons, Handy-Shops und kleine Gastronomien aneinander. Mittendrin zwei, drei Massagesalons, die augenscheinlich »erweiterte Dienstleistungen« bieten, wie auch das »Dr. Guest House« verrät, das mit Preisen von sieben US-Dollar – in Kambodscha seit den 90er Jahren zum festen Kurs die parallele Zweitwährung zum einheimischen Riel – für drei Stunden bewusst auf Kurzzeitgäste in seinen Zimmern setzt.

Gegenüber geht es zwischen zwei Rohbauten einen Abhang hinunter. Auch an dieser Stelle harren Menschen im Temporären aus: Zwei Blechhütten stehen unterhalb des Gebäudes, in dessen leeren Erdgeschoss-Segmenten sich weitere vorübergehende Bewohner eingerichtet haben. Stoffbahnen trennen an einer Stelle kleine Abschnitte voneinander, in denen Kinder liegen oder spielen, während vor der größeren Blechhütte eine Mittfünfzigerin Mittagsgerichte verkauft. Obgleich ihre herausgeputzte äußere Erscheinung nicht recht dazu passen will, hat auch Chan Momphun erst einmal in diesem Mini-Slum Unterschlupf gefunden. Vor einem Monat kam sie aus Phnom Penh hierher, erzählt die junge Frau. In Sihanoukville arbeitet sie nun »im Kundenservice«, wo genau, will sie nicht sagen.

Während ein paar Schritte die Street 200 entlang, unmittelbar vor der spitzwinkligen Kurve, eine spindeldürre Greisin einen winzigen Laden mit Waren des täglichen Bedarfs hütet, ist das direkt im Straßenbogen liegende Ai-Quin-Hai-Hotel mit sieben Stockwerten zwar fertig, aber leer. Das Gebäude nebenan hat immerhin schon eine weiß getünchte Außenfassade – ein Arbeitsstand, der doch noch Fertigstellung in nächster Zeit erwarten lässt. Beim kahlen Rohbau nebenan scheint das eher ungewiss. Dafür ist auf dem nächsten Grundstück, wo vor einem Casino noch reichlich Baumaterial auf der Straße liegt, im Gebäudeinnern schon hörbar Betrieb. Unter anderem Roulette wird hier gespielt, wie ein großes Bild neben dem Eingang zeigt. Schräg gegenüber folgen auf das Nagelstudio »Fei Fei Nail & Salon« und drei Handy-Läden zwei Lokale mit eindeutig chinesischer Küche sowie ein weiterer Massagesalon.

Unmittelbar vor der Kreuzung, wo wieder die Ekareach Street verläuft, befindet sich das Wutong-Tree-Boutique-Hotel mit dem »Bitao Pavillion Club« noch in der letzten Bauphase. Im Erdgeschoss kann im Phoenix-Casino aber schon gezockt werden. An Kundschaft mangelt es dort allerdings ebenso wie im noch größeren Casino, das im 3F-Tower jenseits der Kreuzung schräg gegenüber liegt, im »City Gold Club« (als bescheidener Dreigeschosser wohl noch aus der ersten Boom-Phase stammend) oder ein kleines Stück die Hauptmagistrale abwärts in einem besonders noblen Glücksspieltempel, vor dessen Eingang als Lockmittel drei Neuwagen mit Schleifen stehen.

Zweisprachige Ausschilderungen

Phanny (43) hat es bereits vor zehn Jahren aus einer anderen Provinz ins aufstrebende Sihanoukville verschlagen. Der hagere Mann mit dem freundlichen Blick und flüssigen Englischkenntnissen arbeitet als Fastfood-Verkäufer an einem Straßenstand; der Imbiss gehört zur – natürlich – chinesischen Five-Star-Kette. »Es liegt immer an den Menschen, ob sie sich ordentlich und respektvoll begegnen oder nicht«, merkt er an und schiebt mit Blick auf die Chinesen hinzu: »Einige sind nicht gut.« Noch vor einiger Zeit seien es ganz viele gewesen, jetzt sei die Stadt beinahe leer, ein paar Bauherren auch schon pleite. »Klar haben wir Sorge, was aus den halb fertigen Gebäuden wird«, räumt er ein. Und übersetzt gleich noch für seinen Freund Samg, der in einer Uniform neben ihm steht – der untersetzte 56-Jährige stammt ebenfalls aus einer anderen Provinz, kam vor drei Jahren, als er dem Jobangebot jener thailändischen Firma folgte, für die er jetzt als Wachmann arbeitet.

Ein paar solcher Unternehmen, auch vietnamesischer Geschäftsleute, gibt es zwar. Doch insgesamt befindet sich das heutige Sihanoukville komplett in chinesischer Hand. Sämtliche Schilder und Aufschriften an den Geschäften sind zweisprachig, die Kurzporträts der Ärzte, die im noblen Sihanouk Central Hospital im Mittelteil der Street 100 ihre Dienste anbieten, tragen sogar ausschließlich chinesische Schriftzeichen – eine Khmer-Fassung scheint in diesem Fall schon verzichtbar. Und das, was ein Stück weiter einst der Buchladen war, ist nun ein vorrangig auf chinesische Kunden ausgerichtetes Geschäft mit Haushaltswaren. Selbst ein Verkäufer traditioneller buddhistischer Geisterhäuser in einer hinteren Straße hat sein Sortiment umgestellt: Dort gibt es nun die hölzernen Ahnenschreine mit eindeutig chinesischer Aufschrift. Nur momentan ohne Kunden.

Lediglich an zwei Stellen beim Rundgang sind noch kleine Bauarbeiten im Gange. Dafür wird an einem Ex-Casino über dem Eingangsbereich eine Deckenkonstruktion schon wieder eingerissen. Männer hantieren auf einer Leiter, am Boden türmt sich der Schutt.

»Zu verkaufen oder zu vermieten« – auch an einer früheren Bar fällt ein großes Schild mit zwei Telefonnummern darunter auf. Während der Boom insgesamt vorerst nur eingefroren wirkt, sind den Ersten sichtbar schon die Reserven ausgegangen. Und die Einheimischen fragen sich in banger Erwartung, was denn werden soll aus ihrer Stadt, die nun den chinesischen Investoren gehört.

Darüber sinnieren auch Lucky und Kheng, zwei Taxifahrer, die wartend am Straßenrand stehen. Er sei hier aufgewachsen, wohne nun drei Kilometer außerhalb des Zentrums, erzählt Lucky, der Jüngere der beiden. Der Mittdreißiger ist geschieden, muss somit zumindest keine Familie durchfüttern mit einem Einkommen, das schon für ihn selbst kaum genug abwirft. »Ich weiß nicht, ob die das noch zu Ende bringen«, blickt er auf gleich vier unfertige Häuser auf der anderen Seite. »Klar kommen die demnächst zurück und vollenden das. Dafür haben sie schon zu viel Geld hier reingesteckt«, entgegnet Kheng, der mit Anfang 50 fast eine Generation älter ist. Gouverneur Kouch Chamroeun hatte vor anderthalb Jahren von rund 30 Milliarden US-Dollar gesprochen, die zwischen 1994 und 2000 in der Stadt investiert wurden. Er sei zwar Kambodschaner chinesischer Herkunft, spreche aber kein Mandarin, räumt Kheng ein. Fahrgäste gebe es derzeit nur ganz wenige, doch die chinesischen Airlines würden langsam wieder den Betrieb aufnehmen, habe er gelesen. Vor Corona hatte Sihanoukville mehr Direktflüge aus China als jede andere südostasiatische Stadt.

An das Prinzip Hoffnung klammern sich auch die Betreiber all der Restaurants, die am Strandabschnitt des Serendipity Beach nach Sonnentergang eine Kette aus blinkenden Lichtern bilden. Zumindest kleine Grüppchen sitzen hier und da um einen der größeren Tische; in einem Lokal wird gerade alles für eine Hochzeitsfeier vorbereitet. 90 Prozent der Kapazitäten indes sind ungenutzt.

Von Hoffnung zu Unsicherheit

Borey Pen hat, obwohl er jetzt überwiegend in der Hauptstadt tätig ist, lange in Sihanoukville gelebt, kennt den fragwürdigen Wandel seiner einstigen Heimatstadt sehr genau. »Ich mag Entwicklung – solange die Menschen davon profitieren«, sagt der 37-Jährige, der acht Jahre bei verschiedenen NGOs angestellt war, seit 2017 freischaffend als Berater und Dolmetscher arbeitet. Doch eben das sei in Sihanoukville nicht der Fall. »Auch Umweltschutz sollte eine Rolle spielen«, aber der sei bei dem, was die Küstenstadt zuletzt durchmachte, ebenfalls zu kurz gekommen. »Schon die Abwasserkanäle wurden immer schmaler, sodass der Gouverneur schließlich einschreiten musste.« Es gebe enormen Versiegelungsdruck auf die Flächen, kaum genügend Ableitungen für Niederschläge in der Regenzeit, keine Grünanlagen und Parks.

Wie viele Menschen aus dem alten Stadtzentrum für all die neuen Bauten dort weichen mussten, könne niemand sagen, so Borey: »Konkrete Zahlen dazu fehlen.« Zumindest zu Beginn des Baubooms, erinnert er sich, seien viele hoffnungsvoll gewesen hinsichtlich eines Miteinanders mit den Investoren, guter Verkaufserlöse, neuer Jobs. »Jetzt sind zu 70 Prozent die fertigen oder fast fertigen Gebäude da. Doch ohne dass darin Betrieb herrscht, fließt so gut wie kein Geld an die lokalen Leute.« Viele warteten auf ausstehende Mietzahlungen, andere auf Arbeitsplätze.

Hinzu kämen die kulturellen Gräben, die schon vor Corona sichtbar wurden: »Die Chinesen bleiben mehrheitlich unter sich. Da gibt es in der Stadt längst zwei Parallelgesellschaften.« Und während die wohlhabenden Teilzeit-Sihanoukviller aus China mit ihren Nobelkarossen schnell unterwegs seien und manchen Unfall bauten, habe sich die »Geisterstadt« zuletzt nochmals zum Schlechteren gewandelt.

»Kidnapping und Gewalt nehmen zu«, bestätigt er, was auch Naly Pilorge ganz ähnlich sagt. Sie ist Direktorin der Menschenrechtsvereinigung LICADHO, die im Bündnis mit anderen kambodschanischen NGOs vor den Zuständen warnt, mit denen Sihanoukville in den zurückliegenden Monaten immer wieder für Negativschlagzeilen sorgte. Gestrandete chinesische Touristen entführten Landsleute, um Geld zu erpressen, es gab Fälle von Zwangsarbeit, einmal wurde sogar von illegalen Blutabnahmen in Vampir-Manier berichtet. Auch Mordfälle gab es schon. Ganz zu schweigen von Geldwäsche und Menschenhandel. Einheimische Medien beklagen, bei Recherchen dazu von den Behörden eher ausgebremst zu werden. Von Tausenden Zwangsarbeitern ist in der gemeinsamen Erklärung von 35 Organisationen die Rede, auf die auch in einem Beitrag des renommierten »The Diplomat« Bezug genommen wird.

»Schon manche der chinesischen Investoren waren etwas zwielichtige Gestalten«, betont Naly Pilorge und verweist auf Beispiele wie Xu Aimin. Der war als Kopf eines milliardenschweren illegalen Glücksspielrings in seiner Heimat 2013 zu zehn Jahren Haft verurteilt worden und setzte sich mit seinem Geld nach Sihanoukville ab. Hier investierte er in Casinos. Sein Geschäftspartner ist Rithy Samnang, Schwiegersohn von Kok An. Dieser ist Senator der regierenden Volkspartei (CPP) und hatte seinerseits in den 90ern ein Vermögen vor allem aus Casinos angehäuft. Während der gesamte Glücksspielsektor am seidenen Faden der fortgesetzten Genehmigung durch die kambodschanischen Behörden hängt, sei inzwischen festzustellen, dass kriminelle chinesische Netzwerke in der Stadt teilweise von ebensolchen aus anderen Ländern, von Pakistan bis Bangladesch, abgelöst würden, so Naly Pilorge.

Noch gibt es nur vereinzelt Kidnappings, Morde oder ähnliche Fälle, die reiches Medienecho finden. Aber viele sind in Sorge um Sihanoukville – ganz gleich, ob der bisherige Bauboom mit Verzögerung doch noch seinen regulären Abschluss findet oder sich zwischen Investruinen immer mehr Kriminalität breitzumachen droht.

Ranjiv, ein aus dem südindischen Kerala stammender Geschäftsmann, der in Strandnähe vor drei Jahren das Lokal »Curry King« eröffnete, hat derzeit zwar auch nur wenige Gäste, die aus der reichhaltigen Speisekarte wählen. »Wir müssen durchhalten«, klammert er sich dennoch an die Hoffnung, die er mit vielen kleinen einheimischen Ladeninhabern teilt, ebenso wie die Tuk-Tuk- und Taxifahrer. Oder jene Scharen von Casino-Angestellten, die nicht wissen, wie lange das umstrittene Geschäftsmodell ihrer Chefs ohne ausreichend Kundschaft noch ihre Jobs garantiert. Das vorherige Sihanoukville jedenfalls, sagt Borey im Stunden entfernten Phnom Penh, ist unwiederbringlich verloren.

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