Nichtschwimmer durch die Coronakrise

Während der Pandemie fiel der Schwimmunterricht aus und das rächt sich

  • Von Matthias Krauß, Potsdam
  • Lesedauer: 2 Min.
Schwimmen will gelernt sein.
Schwimmen will gelernt sein.

Am Wochenende sind in Brandenburg zwei Menschen bei Badeunfällen ums Leben gekommen. In Bohsdorf wollten am Sonntag zwei Männer über den Felixsee schwimmen. Ein 53-Jähriger bekam dabei Probleme und rief um Hilfe. Sein Begleiter wollte ihn noch ans Ufer ziehen, musste aber entkräftet aufgeben. An einem Kiessee bei Bestensee beobachteten Zeugen, wie ein 85-jähriger Mann unterging. Von Feuerwehrleuten geborgen, blieben Wiederbelebungsversuche erfolglos. Das reiht sich ein in eine Serie tödlicher Badeunfälle.

»Hauptrisikogruppe sind Männer mittleren Alters, die offenbar oft die eigenen Fähigkeiten überschätzen«, erklärte Daniel Keip. Er ist Sprecher des brandenburgischen Landesverbandes der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG). Obwohl also Kinder nicht so sehr das Problem sind, bemühe sich die DLRG, die in der Coronakrise entstandenen Rückstände beim Schwimmunterricht mit Intensivkursen aufzuholen. Diese Kurse seien insbesondere von Eltern mit kleinen Kindern nachgefragt und immer ausgebucht, sagte Keip.

Nichtschwimmer waren schon immer ein Sommerthema, denn dann macht die Politik Ferien und es ist Badesaison. Diesmal ist es jedoch die erste Badesaison nach der Coronakrise. Zur Eindämmung der Pandemie sind Schwimmhallen und Freibäder monatelang geschlossen gewesen. Schwimmunterricht war in dieser Zeit nicht möglich. In das Thema hinein spielen die gedrosselten Gaslieferungen aus Russland und die Debatte, Schwimmhallen zu schließen, um Energie zu sparen. Außerdem mangelt es an Rettungsschwimmern und Bademeistern.

In ihrer Antwort auf eine Anfrage der Landtagsabgeordneten Ilona Nicklisch (Freie Wähler) verwies Bildungsministerin Britta Ernst (SPD) auf 500 000 Euro Fördermittel zur Schwimmausbildung, die aus dem Bund-Länder-Programm »Aufholen nach Corona« stammen. Britta Ernst zufolge wurden mehr als 100 zusätzliche Schwimmkurse durchgeführt, bei denen 2100 Schwimmnachweise erworben wurden.

Das änderte aber leider kaum etwas daran, dass immer weniger Kinder und Jugendliche schwimmen können. Wurden im Jahr 2010 noch 5,5 Prozent Nichtschwimmer unter Brandenburgs Schülerinnen und Schülern erfasst, waren es 2019 schon neun Prozent. Fachleute sehen ein Verflachen der Normen im Vergleich mit dem alten DDR-Schwimmabzeichen. In der Grundschule werde zwar eine »Seepferdchen-Prüfung« abgenommen, bei der sich Kinder 25 Meter lang über Wasser halten müssen. Doch die Seen in Brandenburg stellen ganz andere Anforderungen als eine 25-Meter-Bahn in einem Schwimmbecken. In der 3. Klasse müsste laut Rahmenplan eine Sportstunde in der Woche der Schwimmausbildung dienen. Aber das klappt längst nicht überall. Zu DDR-Zeiten lernten 99 Prozent der Kinder in der Schule schwimmen.

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