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Das Berliner Derby zwischen Union und Hertha zum Auftakt

Kritik aus Köpenick, Vorfreude in Charlottenburg

  • Von Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 3 Min.
Beim letzten Derby jubelte der 1. FC Union Berlin nach dem 4:1 im blauen-weißen Olympiastadion.
Beim letzten Derby jubelte der 1. FC Union Berlin nach dem 4:1 im blauen-weißen Olympiastadion.

Die einen finden es gut, die anderen nicht. Gleich zum Saisonstart der 1. Bundesliga steht das Berliner Stadtduell zwischen den Fußballern des 1. FC Union und Hertha BSC an. Kritik daran kam aus Köpenick. »Derbys haben immer einen Alleinstellungscharakter. Sie sind etwas Besonderes im Spielplan. Jetzt hat man es auf den ersten Spieltag gelegt – das ist schlecht von der Liga«, sagte Unions Präsident Dirk Zingler. Herthas neuer Vereinschef Kay Bernstein sieht es anders: »Das ist gleich zu Beginn ein Highlight, und wir freuen uns darauf.«

Es ist keineswegs so, dass sich Union nicht auf den Anpfiff an diesem Sonnabend in der Alten Försterei freut. Die unterschiedlichen Ansichten zum Austragunsgszeitpunkt des Derbys sind eher ein Ausdruck der neuen Verhältnisse im Hauptstadt-Fußball. Bernd Schultz, Präsident des Berliner Fußballverbands, sagt es so: »Wir haben in Union einen ehemaligen Aufsteiger, der sich sehr schnell in der Bundesliga etabliert und zweimal in Folge für den europäischen Wettbewerb qualifiziert hat. Das ist eine deutliche Verschiebung der Kräfte.«

Angesichts der beschriebenen Entwicklung ist diese Erkenntnis nicht neu – und manifestiert sich zudem in drei Derby-Siegen von Union in der vergangenen Saison. Aussprechen aber will sie keine der beiden beteiligten Fußball-Parteien. Die in Köpenick wehrt sich nicht gegen Erfolge, kann sie genießen und die Fans besingen ihre »Stadtmeister« liebend gern als »Berlins Nummer eins«. Bei alldem braucht Union aber keinen anderen Verein als Vergleich, er schaut auf sich. Niemand kann das besser formulieren als ein Pragmatiker aus der Schweiz. »Es ist ein Heimspiel, das wir zu gewinnen versuchen«, sagte Urs Fischer am Donnerstag im Pressegespräch mit Blick auf den anstehenden Bundesligastart. Und wenn Unions Trainer auch im vierten Erstligajahr den Klassenerhalt als oberstes Ziel nennt, ist das kein Understatement eines Klubs, der im zweitwichtigsten Vereinswettbewerb Europas antritt, sondern formulierte Vernunft: »40 Punkte in der Bundesliga zu holen, das ist unheimlich schwierig.«

Realismus, das war lange Zeit nicht die Stärke von Hertha BSC. Und so waren die Charlottenburger dem Abstieg so nah, wie sie eigentlich der Champions League sein wollten. Nach der gewonnenen Relegation ist vieles neu. Und weil sie jetzt liefern müssen, käme Kritik an einer Spieltagsansetzung nirgendwo gut an. Ob vieles anders wird, bleibt abzuwarten, beispielsweise ob sich Bernstein, der vom ehemaligen Ultra zum Präsidenten aufgestiegen ist, gegen Widerstände im Klub auch wirklich durchsetzen kann.

Sportlich scheint die Entwicklung unter dem neuen Trainer Sandro Schwarz noch etwas Zeit zu brauchen. Das Aus im DFB-Pokal gegen den Zweitligavorletzten Eintracht Braunschweig war die vierte Niederlage in Folge, selbst gegen einen englischen Fünftligisten konnte kein Sieg gelingen. Vielleicht deshalb, vielleicht auch aus Einsicht in eigene Mitschuld an der eskalierenden Gesamtsituation bei Hertha BSC: Fredi Bobic erkennt die Entwicklung an. »Die Favoritenrolle liegt bei den Unionern. Das muss man akzeptieren und respektieren, wie es ist. Es ist verdient«, sagte der Sportchef vor dem Derby. Ein Sieg an diesem Sonnabend könnte in Charlottenburg einiges bewegen, eine Niederlage die Zerrissenheit verschärfen. Union würde weder das eine, noch das andere aus der Bahn werfen.

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