Mit nd-Mütze von 1983

Mehr als 100 Teilnehmer bei Leserwanderung zur alten Waldschänke in Tegel

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.
Unterwegs auf der acht Kilometer langen Strecke
Unterwegs auf der acht Kilometer langen Strecke

Die Kindermütze mit Gummibändchen ist aus hellblauem und weißem Stoff genäht. Der Schriftzug »Neues Deutschland« ist an beiden Seiten darauf gedruckt und vorn an der Stirn noch die Abkürzung »ND«. Dazu auf dem Mützenschirm ein Aufkleber mit der Aufschrift »Wanderung«. Solche Kopfbedeckungen hat es zu DDR-Zeiten für die Teilnehmer der nd-Leserwanderung gegeben, und Marina Hentschke hat am Sonntag eine mitgebracht zum Berliner S-Bahnhof Heiligensee, wo an diesem Tag die jüngste nd-Wanderung startet. Von wann genau diese Mütze ist, weiß Hentschke nicht mehr exakt zu sagen. »Ich habe viele nd-Wanderungen mitgemacht, aber nicht alle«, erzählt sie. Das erste Mal sei sie 1975 dabei gewesen. 1979 wurde ihr Sohn geboren. Es war seine Mütze. Von der Größe her müsste die Kopfbedeckung also aus dem Jahr 1983 oder 1984 sein, schätzt die Mutter. Sie hat noch zwei weitere Kinder, die auch Mützen von den Wanderungen besaßen. Aber die anderen hat sie nicht mehr gefunden. Nur diese hier. Nun übergibt Marina Hentschke das gute Stück zurück an die Zeitung – quasi fürs Traditionskabinett.

Mehr als 100 Menschen nehmen am Sonntag an der nd-Herbstwanderung vom S-Bahnhof Heiligensee zur Alten Waldschänke in Tegel teil. Marina Hentschke ist mit ihrer Wandersportgemeinschaft Spreewald 69 dabei, die früher Jugendsektion Touristik und Wandern »Wilhelm Pieck« geheißen habe, so benannt nach dem ersten und einzigen Präsidenten der DDR.

Als die ersten Wanderer früh um 9.04 Uhr mit der S-Bahn eintreffen, wird der nd-Stand mit den Startkarten gerade erst aufgebaut. Die neue nd.Genossenschaft hat im Gegensatz zur alten GmbH keinen eigenen Transporter. Bei der Entleihe eines Mietfahrzeugs gab es technische Probleme. Daher die Verspätung. Doch dann klappt es wie am Schnürchen und die Wanderer können sich gut orientiert auf die Strecke begeben.

Es sei ein sehr schöner Weg gewesen, loben viele anschließend den Wanderleiter Gerhard Wagner, der die Strecken viele Jahre plante. Nun zieht sich der 72-Jährige aus dieser Verantwortung zurück. »Ich hoffe, dass sich bald eine nette Person findet, die mich ablöst«, erklärt er am Ziel, wo er mit ein paar Geschenken verabschiedet wird, darunter Olivenöl und Seife, Rotwein und Tee. »Da muss ich meine Trinkgewohnheiten ändern«, schmunzelt er. Normalerweile bevorzugt Wagner Bier. Künftig will er als Teilnehmer zur Wanderung kommen und bei Bedarf mit Ratschlägen helfen. 2023 soll es wieder eine Frühjahrs- und eine Herbstwanderung geben, eine davon in Marzahn-Hellersdorf oder Lichtenberg. Egal, welcher Bezirk es wird: Der andere soll dann später auch noch drankommen. Denn die Bundestagsabgeordneten Petra Pau und Gesine Lötzsch (beide Linke), die seit Jahren zu fast jeder Wanderung kommen, wollen die Teilnehmer auch wieder einmal in ihren Wahlkreisen begrüßen. Sie sind gern bereit, uns Tipps für eine geeignete Zielankunft zu geben.

In der Alten Waldschänke berichtet Lötzsch von ihrer Reise mit einer Bundestagsdelegation in die USA. Dort standen Gespräche mit Politikern und Rüstungsmanagern auf dem Programm. Sie habe sich erkundigt, sagt Lötzsch, wie es mit Verhandlungen für einen Waffenstillstand und einen Frieden in der Ukraine stehe. Unisono habe sie die fassungslos machende Antwort bekommen: Nein, diese Sache müsse »auf dem Schlachtfeld« entschieden werden.

Und wie steht die Bundestagsfraktion dazu? Auf Nachfrage aus dem Publikum versichert Petra Pau: »Keiner in der Linksfraktion hat für Waffenlieferungen gestimmt. Lasst euch das nicht einreden.« Alle seien für den Frieden.

Beim Quiz unterwegs werden zwei Preise verlost. Pau und Lötzsch spielen wie gewohnt die Glücksfeen. Die Gewinnerin eines Beutels voller Überraschungen und die Gewinnerin des Fahrrads – eine Potsdamerin – sitzen gleich vorn links fast nebeneinander.

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