Daheim gut arbeiten

Verdi-Handbuch durchleuchtet Potenziale und Risiken beim Homeoffice

Spätestens seitdem die Temperaturen wieder fallen und die Corona-Inzidenzen steigen, ist das Thema in den Betrieben wieder virulent: Homeoffice. Während mancher Chef am liebsten alle Untergebenen im Büro sehen würde, weil angeblich nur dort richtig gearbeitet wird, schicken andere Unternehmen ihre Angestellten nach Hause, um so Bürofläche und Heizkosten zu sparen.

So verlautbarte der Handelskonzern Otto dieser Tage, als »werteorientierter« Unternehmensverbund in der Energiekrise einen Beitrag zum Energiesparen leisten und in den Wintermonaten nicht mehr alle seine Gebäude auf eine Temperatur von 20 Grad Celsius heizen zu wollen. In den anderen soll die Raumtemperatur auf 15 beziehungsweise sogar sechs Grad abgesenkt werden. »Aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen sind dort dann für ein halbes Jahr keine Arbeitsaktivitäten erlaubt«, so der Konzern.

Aus einem Recht auf Homeoffice wird so schnell eine Pflicht. Gleichzeitig gibt es auch unter den Angestellten unterschiedliche Einstellungen. Den einen fällt zu Hause schnell die Decke auf den Kopf, die anderen können sich im lauten Großraumbüro nicht mehr richtig konzentrieren. Es gibt also unterschiedliche Ansprüche ans Homeoffice, die zwischen Arbeitnehmer*innen und Arbeitgeber*innen ausghandelt werden müssen.

Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat deshalb ein »Handbuch Homeoffice« erstellt, um einen Beitrag zur Ausgestaltung der Arbeit im Homeoffice zu leisten. »Die positiven Potenziale der Digitalisierung, die durch die Corona-Pandemie einen Schub bekommen hat, müssen auch bei den Beschäftigten ankommen – dazu gehören mehr Gestaltungsspielräume und mehr Souveränität bezogen auf Arbeitsort und Arbeitszeiten«, fasst Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz die Ansprüche ans Homeoffice aus Beschäftigtenperspektive zusammen.

Die Autor*innen des Handbuchs stützen sich unter anderem auf Daten einer repräsentativen Befragung im Rahmen des »DGB-Index Gute Arbeit«. Dabei gaben 41 Prozent der befragten Beschäftigten an, zumindest gelegentlich zu Hause zu arbeiten, mit 31 Prozent tat dies fast jede*r Dritte sehr häufig oder oft. Für viele Beschäftigte ist das Homeoffice also das neue Normalarbeitsverhältnis.

Umso wichtiger ist es, die Arbeit im Homeoffice richtig zu regeln. Schließlich geht es dabei nicht nur um die Frage, wie häufig man zu Hause arbeiten darf und wie oft man ins Büro kommen muss. So durchleuchten die Autor*innen des rund 130 Seiten dicken Verdi-Handbuchs auch Themen wie Arbeitsrecht, Datenschutz und Gesundheitsschutz, die wichtige Gestaltungsfelder beim Thema Homeoffice sind.

»Eine unserer gewerkschaftlichen Kernaufgaben ist und bleibt der nachhaltige Schutz der physischen und psychischen Gesundheit der Beschäftigten«, führt etwa Gewerkschafter Schmitz weiter aus. Zudem gelte es, den betrieblichen Arbeitsplatz auch als Raum für Kommunikation, Austausch und Mitbestimmung zu erhalten und zugleich mehr Ortssouveränität zu ermöglichen.

Solche Fragen können zwischen Betriebsräten und Arbeitgebern in einer Betriebsvereinbarung ausgehandelt werden. Diese kollektiven Vereinbarungen sind laut Verdi ein wirksames Mittel, um den beim Homeoffice auftretenden Gefahren wie zum Beispiel ständigen Erreichbarkeitserwartungen entgegenzuwirken.

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