Stimme der indigenen Völker

Joan Carling mahnt eine Klimawende an, die nicht zulasten der Marginalisierten geht

  • Von Jana Frielinghaus
  • Lesedauer: 2 Min.
Joan Carling, indigene philippinische Menschenrechtsaktivistin und Umweltschützerin, am 16. November auf einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Klimagipfels COP27 im deutschen Pavillon
Joan Carling, indigene philippinische Menschenrechtsaktivistin und Umweltschützerin, am 16. November auf einer Veranstaltung im Rahmen des UN-Klimagipfels COP27 im deutschen Pavillon

Was sie sagt, hat auf internationalen Kongressen ein gewisses Gewicht. Dass das so ist, hat sich Joan Carling hart erarbeitet. Seit drei Jahrzehnten engagiert sich die zur nordphilippinischen Ethnie der Kankanaey gehörende Umwelt- und Menschenrechtsaktivistin für Umweltschutz und für die damit im Zusammenhang stehenden Grundrechte indigener Völker. Und so meldete sich die Direktorin der Organisation Indigenous Peoples Rights International (IPRI) auch auf der Weltklimakonferenz in Scharm El-Scheikh in etlichen Debatten zu Wort. Im Namen von Umwelt- und Klimaschutz dürfe es nicht zu Vertreibungen von – meist marginalisierten – Ureinwohnern kommen, mahnte die 59-Jährige auf einer Veranstaltung im deutschen Pavillon. Diese drohten bei Naturschutzprojekten ebenso wie beim Abbau von Mineralien, die für die Energiewende in den Industrieländern benötigt werden.

Weiter monierte sie, bei Vorhaben zur Bewahrung der Artenvielfalt würden häufig Ansätze verfolgt, die Indigenen schadeten: »Wir werden als Feinde behandelt.« Eine komplett widersinnige – und neokolonialistische – Attitüde, die Carling schon 2009 anprangerte, als indigene Gruppen aus aller Welt parallel zur damaligen Klimakonferenz in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen einen eigenen alternativen Klimagipfel veranstalteten.

Politisiert hat sich Carling früh. Ein einschneidendes Erlebnis war dabei für sie 1984 der Mord an einem der indigenen Anführer des – letztlich erfolgreichen – Kampfes gegen ein Staudammprojekt. 2018 wurde Carling mit dem Champions of the Earth Award des Umweltprogramms der Vereinten Nationen ausgezeichnet. Im selben Jahr wurde sie auf den Philippinen zur Terroristin erklärt – nicht zum ersten Mal. Ihr wurden Verbindungen zur Kommunistischen Partei und zur Neuen Volksarmee unterstellt. Ihr internationales Renommee dürfte ein gewisser Schutz für die Herausgeberin und Autorin zahlreicher Publikationen zu Menschenrechten, Klimawandel, Waldschutz und zur Selbstermächtigung indigener Frauen sein. Jana Frielinghaus

nd Journalismus von links lebt vom Engagement seiner Leser*innen

Wir haben uns angesichts der Erfahrungen der Corona-Pandemie entschieden, unseren Journalismus auf unserer Webseite dauerhaft frei zugänglich und damit für jede*n Interessierte*n verfügbar zu machen.

Wie bei unseren Print- und epaper-Ausgaben steckt in jedem veröffentlichten Artikel unsere Arbeit als Autor*in, Redakteur*in, Techniker*in oder Verlagsmitarbeiter*in. Sie macht diesen Journalismus erst möglich.

Jetzt mit wenigen Klicks freiwillig unterstützen!

Unterstützen über:
  • PayPal