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  • US Gewerkschafter Shawn Fain

Siegreicher Klassenkämpfer

Shawn Fain wird neuer Chef der traditionsreichen US-Gewerkschaft UAW. Er verspricht Reformen und eine kämpferische Haltung

  • Julian Hitschler
  • Lesedauer: 2 Min.
Der neue UAW-Chef Shawn Fain
Der neue UAW-Chef Shawn Fain

Die Auszählung hatte sich über Wochen hinausgezögert, doch nun steht fest: Shawn Fain wird neuer Präsident der US-Gewerkschaft United Auto Workers. Fain, der sich an der Spitze des Reformbündnisses »UAW Members United« für einen Wandel innerhalb der Organisation stark gemacht hatte, führte zuletzt mit nur 483 Stimmen vor dem Amtsinhaber Ray Curry und wird damit neuer Vorsitzender der 390 000 Mitglieder starken UAW. Der Traditionsgewerkschaft gelang es in den 1930er und 40er Jahren, die Belegschaften der Automobilkonzerne General Motors, Chrysler und Ford zu organisieren, gegen den erbitterten Widerstand der Unternehmensführungen. Inzwischen repräsentiert die Gewerkschaft aber genauso auch Lehrbeauftragte an Universitäten, Krankenpfleger und Softwareentwicklerinnen. »Diese Wahl war mehr als eine Entscheidung zwischen zwei Kandidaten: Sie war ein Referendum über die Zukunft der UAW«, so Fain gegenüber der Tageszeitung »Detroit Free Press«. »Wir hatten viel zu lange einen Vorstand, der die Gewerkschaft von oben herab geführt und sich als Partner der Unternehmen verstanden hat (…). Als Resultat darauf konnten wir beobachten, dass immer mehr Zugeständnisse gemacht wurden, die Korruption immer weiter um sich griff und immer mehr Betriebe geschlossen haben«, fügte Fain hinzu.

Fain kommt aus einer klassischen UAW-Familie. Sein Großvater habe jeden Lohnzettel aufbewahrt, seit er 1937 bei Chrysler angefangen hatte, sagte Fain der gewerkschaftsnahen Medienplattform »More Perfect Union«. Fain verspricht, er wolle UAW-Mitgliedern den Stolz auf ihre Arbeit zurückgeben. Dafür sei jedoch eine deutlich kämpferische Gangart notwendig: »In den 1930ern haben unsere Vorsitzenden von der 32-Stunden-Woche gesprochen. 2019 hat man mich aus Verhandlungen abgezogen, weil ich keinen 12-Stunden Tag und keine 7-Tage-Woche akzeptieren wollte«, so Fain.

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