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Die Gewinn-Inflation

Nicht überall herrscht Krise: Viele Unternehmen melden Rekordprofite

  • Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Vogelgrippe, Kriege, Bankenkrisen, Inflation – die schlechten Nachrichten scheinen kein Ende zu nehmen. Doch nicht überall wird Trübsal geblasen. Das tut auch Markus Krebber nicht. Der Vorstandsvorsitzende des wohl umstrittensten Konzerns in Deutschland legte vergangene Woche eine Bilanz mit Goldrand vor. Die extrem hohen Strompreise haben RWE ein Rekordjahr beschert. Im Vergleich zum Vorjahr hat sich der Gewinn um mehr als 70 Prozent auf 6,3 Milliarden Euro erhöht.

RWE und andere Energieunternehmen, die selber Strom und Wärme erzeugen, haben von der Inflation – die den Wert normaler Haushaltskassen bedenklich schrumpfen ließ – massiv profitiert. Während pleitegefährdete Energiehandelskonzerne 2022 vom Staat gerettet wurden. Uniper und Konsorten, darunter auch öffentliche Stadtwerke, konnten die hohen Einkaufspreise für Gas, Kohle und Strom nicht eins zu eins an ihre Kunden weiterreichen.

Rekordzahlen melden auch viele andere Branchen. Beispielsweise IT- und Telekommunikationsunternehmen nahmen den Schwung aus der Corona-Pandemie mit. Die Rüstungsindustrie profitierte von der weltweit gestiegenen Nachfrage. Der Hersteller von Sturmgewehren und Pistolen Heckler & Koch steigerte seinen Gewinn um 132 Prozent – was allerdings gerade mal 50,6 Millionen Euro entspricht.

Ein besonderes Rekordjahr liegt hinter der chemischen Industrie. Die musste zwar weniger zu höheren Kosten produzieren, aber viele Firmen konnten ihre Preise noch stärker anheben. Der Gewinn von Bayer stieg 2022 um 21 Prozent auf einen Rekordwert von 13,5 Milliarden Euro. Höchstleistungen notierten auch Autokonzerne. Die gewinnstärksten Unternehmen in Deutschland waren im vergangenen Jahr Volkswagen und Mercedes-Benz mit 22,1 und 20,5 Milliarden Euro. BMW belegt im Gewinnranking mit einem Gewinn von 14,0 Milliarden Euro den fünften Platz.

Die seit Jahren steigenden Preise für Häuser und Wohnungsmieten bescheren der Immobilienbranche ebenso goldene Zeiten. Der größte Wohnungskonzern in Deutschland, Vonovia, der mehr als eine halbe Million Wohnungen besitzt, steigerte seinen operativen Gewinn – auch dank der Übernahme von Deutsche Wohnen – um ein Fünftel auf über zwei Milliarden Euro. Auch Bankchef Christian Sewing vermeldete kürzlich den höchsten Gewinn der Deutschen Bank seit 15 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppelte das Geldhaus seinen Überschuss auf 5,7 Milliarden Euro nach Steuern.

Mit Porsche hat vergangene Woche der letzte DAX-Konzern seine Zahlen für das Jahr 2022 vorgelegt – und die Bilanzen der 40 größten Unternehmen an der Deutschen Börse können sich sehen lassen, wie aus einer Analyse des Wirtschaftsprüfungsunternehmens EY hervorgeht: Der Gesamtumsatz stieg 2022 um 15,5 Prozent auf einen neuen Rekordwert. Fast alle DAX-Konzerne legten beim Umsatz zu – nur zwei Unternehmen verzeichneten niedrigere Umsätze als im Vorjahreszeitraum. Der Gewinn der größten deutschen Konzerne kletterte zwar lediglich um 3,4 Prozent nach oben, erreichte aber mit 170,9 Milliarden Euro ebenfalls Rekordniveau. Bei der Gesamtschau ist zu berücksichtigen, dass bei immerhin 15 Unternehmen der Gewinn gegenüber dem Vorjahreszeitraum zurückging.

Im letzten Jahr fand eine »Gewinn-Inflation« statt, bringt es ausgerechnet das wirtschaftsfreundliche Ifo-Institut in München auf den Punkt. Konjunkturforscher Timo Wollmershäuser erklärt dies mit einer »Überauslastung« in Teilen der Wirtschaft, vor allem der Industrie. Die Produktionskapazitäten seien zwar infolge von Lieferkettenproblemen und hoher Rohstoff- und Energiepreise gesunken. Wegen dieser knappen Ressourcen waren die verbliebenen Produktionskapazitäten aber ausgelastet. Bei gleichzeitig guter Nachfrage und übervoller Auftragsbücher konnten viele Unternehmen extreme Preise für ihre Produkte, Waren und Dienstleistungen auf den Märkten durchsetzen.

Wer das Glück hat, bei einem Sieger der Krise zu arbeiten, erfreut sich im Regelfall durchaus einer Teilhabe an den überbordenden Gewinnen. So schüttet der Stuttgarter Sportwagenhersteller Porsche, der zum teilstaatlichen VW-Konzern gehört, eine Sonderzahlung an jeden Beschäftigten von mehr als 9000 Euro aus.

Nun ist selbst für Mega-Konzerne heute noch nicht morgen. »Die DAX-Konzerne investieren in Wachstum, die Beschäftigung steigt trotz des konjunkturellen Gegenwinds«, blickt Henrik Ahlers, Vorsitzender der Geschäftsführung bei EY, in die nähere Zukunft. Gleichzeitig sehe man, dass das Kostenbewusstsein zugenommen habe. »Viele Unternehmen führen Effizienzprogramme durch, um flexibel zu bleiben und ihre Margen hoch zu halten.«

Daran arbeitet auch RWE. Die Lage am Energiemarkt hat sich zwar etwas beruhigt, doch RWE verdient weiterhin sehr gut und hat mit seinem starken grünen Portfolio beste Aussichten. »Was wir verdienen, investieren wir in unsere grüne Transformation«, sagte RWE-Boss Krebber. 50 Milliarden Euro will der Essener Stromkonzern in den kommenden Jahren in saubere Energien investieren, davon 15 Milliarden in Deutschland. Im Sommer soll sich RWE dann an den geplanten großen Auktionen für Windräder vor der deutschen Küste beteiligen. Für die Zukunft sieht es grün aus.

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