Derby della Madonnina in der Champions League: AC gegen Inter

Das Mailänder Stadtduell im Halbfinale mit einem Prinzen aus Argentinien

  • Sven Goldmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Schöner war das Fußballleben von Diego Milito nie: Mit zwei Toren schoss er Inter gegen Bayern 2010 zum Titel.
Schöner war das Fußballleben von Diego Milito nie: Mit zwei Toren schoss er Inter gegen Bayern 2010 zum Titel.

Was macht eigentlich Diego Milito? Tore schießt er schon länger nicht mehr, Trainer wollte er nie werden, und das mit dem Job im Management hat sich auch erledigt. Seitdem er vor zweieinhalb Jahren als Sportdirektor beim Racing Club in der Provinz Buenos Aures zurückgetreten ist, präsentiert der frühere Nationalspieler dem argentinischen Fernsehpublikum den europäischen Fußballzirkus. Natürlich wird Milito an diesem Mittwoch in Mailand erwartet, wenn das Derby della Madonnina im Halbfinale der Champions League auf dem Spielplan steht.

Zirkus Europa
Früher schlicht Pokal der Landesmeister, heute Champions League: ein inszeniertes Spektakel und Gelddruckmaschine des Fußballs. Sven Goldmann blickt auf den kommenden Spieltag.

AC gegen Inter – Neutralität ist da vom Fernsehexperten Diego Milito nicht zu erwarten. Vor drei Wochen fiel er noch auf dem Platz seinem Landsmann Lautaro Martínez um den Hals, nachdem dieser mit dem FC Internazionale daheim in San Siro nach einem furiosen Spiel gegen Benfica Lissabon den Einzug ins Halbfinale perfekt gemacht hatte. Bei Inter ist Il Principe, der Prinz aus Argentinien, immer noch ein Held. Auch wegen seiner 62 Tore in der Serie A – vor allem aber wegen der beiden, die er vor 13 Jahren gegen den FC Bayern schoss, damals als Inter zum dritten und bislang letzten Mal den europäischen Thron bestieg.

In jenem Finale von Madrid schoss Milito ganze zwei Mal aufs Tor. Beim ersten Mal war es ein kurzes Täuschungsmanöver, eine angedeutete Schussbewegung, die Bayerns Torhüter Jörg Butt zum frühzeitigen Flug verleitete. Als Milito dann wirklich schoss, hob Butt nur noch hilflos den Arm. Das zweite Tor entsprang einer eher beliebigen Situation, die nur durch Militos Klasse zu einer ganz besonderen wurde. Am Strafraum spielte er Bayerns Innenverteidiger Daniel van Buyten schwindlig und zirkelte den Ball in die rechte Ecke.

Als später die Gratulationscour auf der Ehrentribüne anstand, hätte sich Michel Platini beinahe Militos Söhnchen Leandro um den Hals gehängt. Das Foto mit dem Uefa-Präsidenten und den beiden Militos war tags darauf in so ziemlich jeder argentinischen Zeitung zu sehen. Diego Maradona dürfte sich daheim in Buenos Aires so seine Gedanken gemacht haben. In der von ihm betreuten argentinischen Nationalelf rangierte Milito hinter Lionel Messi, Carlos Tévez, Gonzalo Higuaín, Sergio Agüero und Martín Palermo nur als Stürmer Nummer sechs. Nach dem Finale von Madrid geriet diese Rangfolge ein wenig durcheinander: Halb Argentinien forderte den Einsatz des Mannes, der in seiner ersten Saison mit Inter mit 30 Pflichtspieltoren nicht ganz unwesentlich am Gewinn von Meisterschaft, Pokal und Champions League beteiligt war.

Aber da Diego Armando Maradona sich bekanntlich immer herzlich wenig um die Mehrheitsmeinungen scherte, kam Milito ein paar Wochen später bei der WM in Südafrika nur zu einem kurzen Einsatz gegen Nigeria und einem etwas längeren im letzten, bedeutungslosen Vorrundenspiel gegen Griechenland. Das desaströse 0:4 im Viertelfinale gegen Deutschland erlebte er 90 Minuten lang von der Ersatzbank. Zurück in Europa wäre Diego Milito wohl ganz gern mit seinem Trainer José Mourinho weiter zu Real Madrid gezogen, aber Inters Präsident Massimo Moratti erklärte den Prinzen für unverkäuflich.

Doch so schön wie im Mai 2010 sollte es nie wieder werden. Im Jahr darauf reichte es noch zum Pokalsieg, bis Milito dann immer wieder Verletzungen zurückwarfen und sein Vertrag im Sommer 2014 nicht mehr verlängert wurde. Und doch ist Diego Milito bis heute ein gern gesehener Gast in San Siro, auch als nicht ganz so neutraler Fernsehexperte.

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