Majid Samii: Hassfigur für viele Iraner

Majid Samii behandelt Mörder und Staatsmänner von Diktatoren.

  • Negin Behkam
  • Lesedauer: 2 Min.

Professor Samii wusste von Anfang an Bescheid. Er ist Arzt geworden, um das Leben von besonderen Menschen zu retten. Menschen kennen ihn als Arzt von Mördern und Diktatoren. So genießt er große Berühmtheit als Hassfigur in der Gesellschaft seines Herkunftslandes Iran. Der Neurochirurg leitet die INI Privatklinik in Hannover und lebt seit 1957 in Deutschland. Vor kurzem tauchte erneut sein Name in den Medien auf, weil viele Hinweise darauf hindeuten, dass er einen iranischen »Todesrichter« in Deutschland behandelt. Die iranische Diaspora ist empört, wie auch die Menschen im Iran. Er selbst bestreitet das.

Dabei spielt es eigentlich keine Rolle mehr, ob er den »Todesrichter« Hossein Ali Naeiri, der Hunderte Menschen zum Tode verurteilte, behandelt oder nicht. Die Leute kennen ihn aufgrund von zahllosen Fotos, die ihn mit hochrangigen Staatsmännern mit mürrischen Gesichtern bei offiziellen staatlichen Festen zeigen. Er fliegt immer wieder in den Iran, um die Köpfe der Islamischen Republik zu behandeln. Auch bei dem iranischen Führer Ali Chamenei soll er im Dienst stehen. Spätestens nach dem gescheiterten Attentat auf Chamenei vor über 40 Jahren, durch das seine rechte Hand gelähmt wurde, soll Samii mit ihm in Kontakt getreten sein. Der verstorbene iranische Ex-Präsident Hashemi Rafsanjani schreibt in seinen Memoiren über häufige Treffen zwischen Chamenei und Samii. Auch Rafsanjani ließ sich von ihm behandeln. Die Liste von Samiis besonderen Patienten ist lang: Der Ex-Justizchef Mahmud Haschemi Schahrudi, der im Iran viele Todesurteile verhängte, war auch Patient. Apropos, Menschen nach Attentaten behandeln: Seit Anfang der iranischen Revolution im vergangenen Jahr verübten Sicherheitskräfte der islamischen Republik unzählige Anschläge auf Menschen. Für Samii kämen sie als Patient*innen nicht infrage.

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