Caren Miosga: Eine Frauen-Geschichte

Caren Miosga verlässt die »Tagesthemen«

  • Larissa Kunert
  • Lesedauer: 2 Min.

2014 stand Caren Miosga, die am Donnerstag nach 16 Jahren ihre letzte »Tagesthemen«-Sendung moderiert hat, barfuß auf dem Tisch. Nein, nicht angetrunken auf der ARD-Weihnachtsfeier und auch nicht zu Hause, um die Küchenlampe anzubringen, sondern vor den ca. zwei Millionen Zuschauern des Nachrichtenjournals. Miosga erwies damit dem gerade verstorbenen US-Schauspieler Robin Williams eine Ehre. Der hatte im Film »Club der toten Dichter« einen Lehrer gemimt, mit dem sich seine Schüler durchs Auf-den-Tisch-Steigen solidarisieren, als er suspendiert wird.

Ihre Geste brachte Miosga viel Sympathie ein – ebenso wie ihre »Schuhpanne« von 2019, als ein Paar High Heels im »Tagesthemen«-Studio bei den Zuschauern für Verwirrung sorgte. Miosga hatte sich kurzfristig für ein anderes Paar entschieden und vergessen, sie wegzuräumen. Es sei »schlicht eine Mädchen-Geschichte« gewesen, erklärte sie sich damals.

Bis heute hat Miosga nie Unmut auf sich gezogen – ganz im Gegensatz zu ARD-Nachrichten-Kollegen wie Constantin Schreiber, der als Romanautor linke Identitätspolitik demaskieren wollte, oder – freilich etwas weniger brisant – Jan Hoefer und Claus-Erich Boetzkes, die, als sie das Mikro ausgeschaltet wähnten, über Privates wie den gestiegenen Wert von Hofers Immobilie plauderten. Auch ließ Miosga sich zum Beispiel nie, wie Ex-»Tagesschau«-Sprecherin Linda Zervakis, vom Kanzleramt für ein Interview mit Olaf Scholz engagieren und bezahlen. Wohl wegen dieser Souveränität wird die 54-Jährige, die beim Radio anfing und früher als Korrespondentin aus Russland berichtete, ab 2024 mit einer neuen Aufgabe betraut: Sie übernimmt den sonntagabendlichen ARD-Polit-Talk von Anne Will unter dem Titel »Caren Miosga«. Sicher ist: Im Sitzen werden die High Heels weniger schmerzen.

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