KI: Grüne Pizzaschlacht und Kanzlerrede

Mit KI hergestellte Fälschungen nehmen im politischen Raum zu

  • Sebastian Weiermann
  • Lesedauer: 3 Min.
Dieses, mit Künstlicher Intelligenz hergestellte Foto, das den Parteitag der Grünen zeigen soll, sorgte in den letzten Tagen für viel Aufregung.
Dieses, mit Künstlicher Intelligenz hergestellte Foto, das den Parteitag der Grünen zeigen soll, sorgte in den letzten Tagen für viel Aufregung.

Es ist nicht vollkommen neu, dass die »Bild« Stimmung gegen die Grünen macht. Nicht ganz selten geht es dabei um Ernährung. Nach dem Parteitag am vergangenen Wochenende hatte das Boulevardblatt wieder einen Aufreger gefunden. Delegierte, die sich Pizza in die Halle liefern ließen, statt das angebotene Sellerieschnitzel zu essen. Ein gefundenes Fressen im Kulturkampf. Der »Bild«-Artikel war garniert mit Fotos von Delegierten und einem Mülleimer mit zahlreichen Pizzakartons daneben.

Ein Aufreger auch im Internet. Grünkernbratlinge predigen, aber Pizza essen. Das war für einige Kommentator*innen die Wahrheit über die angebliche Ökopartei. Noch größer wurde die Aufregung, als ein Foto auftauchte, das die Reste einer regelrechten Pizzaschlacht in einer Halle mit grüner Dekoration und Sonnenblumen zeigte. Es sah wirklich nicht besonders appetitlich aus.

Das Problem nur, das Foto, das in den sozialen Netzwerken hundertfach geteilt wurde, ist nicht echt. Es ist mit einem Bildgenerator entstanden, der Künstliche Intelligenz nutzt. Nutzer*innen müssen dem Generator dafür eine Beschreibung geben, was für ein Foto sie haben wollen. Die Künstliche Intelligenz greift auf große Datenbanken echter Fotos zurück und erstellt ein neues Bild. Beim angeblichen Bild vom Grünen-Parteitag, war schnell klar, dass es nicht echt war. Hunderte Menschen konnte bezeugen, dass es in Karlsruhe ganz anders aussah, zentrale Details, wie die Halle des Parteitags sahen völlig anders aus, als auf dem Fake-Bild.

nd.Kompakt – unser täglicher Newsletter

Unser täglicher Newsletter nd.Kompakt bringt Ordnung in den Nachrichtenwahnsinn. Sie erhalten jeden Tag einen Überblick zu den spannendsten Geschichten aus der Redaktion. Hier das kostenlose Abo holen.

Am Montag die nächste Fälschung. Das »Zentrum für politische Schönheit« startete an diesem Tag eine Kampagne für ein AfD-Verbot. Ein zentrales Element der Kampagne, eine Videoansprache von Bundeskanzler Olaf Scholz, in der dieser verkündete, zum fünften Todestag von Walter Lübke ein Verbot der AfD beim Bundesverfassungsgericht zu beantragen. Auch für das Video wurde mit KI gearbeitet, um Scholz die passenden Worte in den Mund zu legen. Auch bei der Scholz-Ansprache war schnell klar, dass sie nicht echt ist. Aber der Einsatz von Bildern, die mit KI erstellt werden, nimmt im politischen Raum zu. AfD-Abgeordnete versuchen so schon länger Stimmung zu machen, etwa mit Bildern, die Migrant*innen besonders aggressiv und bedrohlich zeigen.

Als fiktiv gekennzeichnet wurde keines der Fotos oder Videos. Dabei ist das schon seit Längerem eine Forderung, etwa von Fotograf*innenverbänden wie »Freelens«. Ein dort im Frühjahr veröffentlichtes Positionspapier sieht in der journalistischen Nutzung von KI-generierten Bildern ein Glaubwürdigkeitsproblem. Authentische Fotos seien für die Glaubwürdigkeit »unverzichtbar«. Mit KI-Bildern sei es hingegen möglich, vorsätzlich Tatsachen zu verfälschen und die Betrachtenden zu manipulieren. »Eine Flut dieser Fälschungen der Wirklichkeit können eine Wirkung entfalten, die unsere Demokratie gefährdet«, warnt der Fotograf*innenverband. Der Deutsche Fotorat machte vor wenigen Tagen darauf aufmerksam, dass in der Bilddatenbank Adobe Stock KI-Bilder gleichrangig mit authentischen Fotos aus dem Gazastreifen zur Verfügung gestellt werden. Der Fotorat fordert journalistische Medien auf, in der Berichterstattung auf KI-Bilder zu verzichten und den Kodex des Presserats zu überarbeiten. Bei professionellen Medien könnte das funktionieren, gegen Fakes in sozialen Netzwerken oder Messengern wird es aber nicht helfen.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal