Pisa-Studie: Gescheiterte Schulpolitik

Die Ergebnisse der neuen Pisa-Studie sind eine Offenbarung, meint Stefan Otto

  • Stefan Otto
  • Lesedauer: 2 Min.

Bislang war die Zahl derjenigen, die ohne Abschluss von der Schule abgehen, der Gradmesser fürs Scheitern. 47.200 waren es im Jahr 2021, das sind 6,2 Prozent der Schüler. Die Zahl stagniert seit Jahren. Für ein Bildungssystem, bei dem die Politik den Anspruch erhebt, zu den besten der Welt zu gehören, ein sehr hoher Wert. Allerdings offenbart die neue Pisa-Studie eine ganz andere Dimension. Unter den 15-Jährigen braucht demnach mehr als ein Viertel besondere Förderung, um die weitere Ausbildung zu schaffen. Die Kompetenzen der Jugendlichen sind in den vergangenen Jahren regelrecht eingebrochen, was nicht nur an der Ausnahmesituation der Corona-Pandemie liegt, wie die Autoren der Pisa-Studie betonen.

Der Befund zeigt: Die Schule, wie sie bislang gedacht und konzipiert wurde, ist gescheitert. Sie hat sich vor allem am Durchschnitt orientiert, Leistungsschwächere wurden unter Druck gesetzt, Leistungsstärkere waren unterfordert. Der Heterogenität der Klassen wird das System immer weniger gerecht. Daran krankt es. Es braucht andere Lernansätze, die auf eine individuelle Förderung setzen. Es braucht Pädagogen mit unterschiedlichen Kompetenzen, um an die Schüler heranzukommen. Letztlich braucht es eine andere Schulkultur.

Ob das ambitionierte Startchancen-Programm von Bund und Ländern einen Wandel schaffen wird, bleibt abzuwarten. Der Ansatz, dorthin zu gehen, wo viele sozioökonomisch Benachteiligte und Schüler aus Zuwandererfamilien sind, scheint jedenfalls vielversprechend. Indes steht und fällt vieles in der Schule mit den Lehrkräften, die diese Arbeit umsetzen. Es braucht mehr gut ausgebildete und weitergebildete Pädagogen an den Schulen. Dann steigt auch wieder die Motivation für Mathe, an der es derzeit mangelt.

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