Gender-Pay-Gap an Berliner Unis: 800 Euro weniger

Nach wie vor verdienen Frauen im Berliner Hochschulbetrieb weniger als ihre männlichen Kollegen

  • Merrin Chalethu
  • Lesedauer: 3 Min.

Bis zu 800 Euro weniger verdienen Berliner Professorinnen im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen. »Wie plant Berlin dies auszugleichen?« So lautet die Frage der Abgeordneten Silke Gebel von den Grünen im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses. An der Diskussion am Montagvormittag beteiligt sind unter anderen Dr. Geraldine Rauch, Präsidentin der Technischen Universität Berlin (TU), sowie Antje Bahnik, die Zentrale Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der TU. Da aktuell Zahlen zum Gender-Pay-Gap fehlen, soll demnächst eine Studie diese Wissenslücke schließen. So sollen nachgehend politische Handlungsempfehlungen formuliert werden können.

Die Existenz eines Gender-Pay-Gap wird gerne infrage gestellt: Es handele sich eigentlich um einen Fächer-Pay-Gap, wobei Angestellte aus den Mint-Bereichen (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik) mehr als aus den Sozialwissenschaften verdienen, heißt es dann. Oder dass Frauen weniger verdienten, weil ihr Verhandlungsgeschick weniger ausgeprägt sei. TU-Präsidentin Rauch kann diese Argumente entkräften: Es gebe zwar einen Fächer-Pay-Gap, bestätigt sie, »laut den Regressionsmodellen kann er den Gender-Pay-Gap aber nicht vollständig erklären«. Im Beispiel des Verhandlungsgeschicks werde es Frauen vorgehalten, wenn sie hart verhandelten – eine Zwickmühle, bei der Frauen immer den Kürzeren ziehen.

Bahnik, die auch Sprecherin der Landeskonferenz Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte der Berliner Hochschulen (LakoF) ist, spricht von einem »erheblichen Gender-Pay-Gap, der an Universitäten noch größer ist als an Hochschulen«. Die LakoF fordert die Anerkennung des Gender-Pay-Gaps sowie eine faire Bezahlung. Es bestehe weiterhin Handlungsbedarf an den Berliner Hochschulen. Lohnunterschiede können durch mehr Transparenz der Prozesse, Kriterien und Regelungen für alle Beteiligten reduziert werden, fügt Bahnik hinzu. Die Studie könnte dafür den ersten Schritt in Richtung Transparenz bilden.

Der Schutz persönlicher Daten müsse dabei gewährleistet sein, betont Bahnik. Gerade in spezialisierten Bereichen könne das eine Herausforderung darstellen, gab Gebel zu bedenken, wenn es beispielsweise in einem spezialisierten Fachbereich nur eine einzige Stelle gebe, deren Gehalt für die Studie relevant sei.

Ziel der Studie ist es, für Berlin repräsentative Erkenntnisse zum Gender-Pay-Gap in verschiedenen Hochschulkategorien zu gewinnen. Die Studie solle auch zum Vergleich mit anderen Bundesländern dienen. »Es gibt sehr viele Komponenten, aus denen sich das Gehalt zusammensetzt. Diese sollen in der Studie berücksichtigt werden«, sagt Rauch. So etwa der Aspekt der Mindestbesoldung im Hochschulbetrieb: Im Vergleich mit der Schweiz, wo der sogenannte Sockelbetrag allgemein höher liegt, fällt der Gender-Pay-Gap kleiner aus, bemerkt Bahnik.

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Der SPD-Senatorin für Wissenschaft, Ina Czyborra, ist die Lage bewusst. »Der Anteil von Professorinnen in Berlin liegt bei knapp 35 Prozent und bundesweit bei 27 Prozent«, sagt sie. Sie beobachte jedoch, dass die Fortschrittskurve bezüglich der Gleichstellung an Berliner Hochschulen über die Jahre abflache. Im Kunst- und Kulturbereich sowie an Berliner Kunsthochschulen zeigen sich immerhin positive Entwicklungen. Der Professorinnenanteil liege hier bei 42 Prozent, meint ein Gast der Ausschusssitzung. Verschiedene Instrumente hätten hier geholfen, von denen die anderen Hochschulen lernen könnten. Zuerst müssen jedoch aktuelle Zahlen herangezogen werden.

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