Schlechte Laune im Maschinenbau

Der Maschinenbau ist die wichtigste mittelständische Branche in Deutschland. In dieser gingen die Bestellungen im vergangenen Jahr drastisch zurück

  • Hermannus Pfeiffer
  • Lesedauer: 4 Min.

Der Maschinenbau gehört neben der Autoproduktion und der Chemieindustrie zu den tragenden Säulen der deutschen Volkswirtschaft. Doch die Laune in der Branche ist schlecht. Aus gutem Grund: Unterm Strich steht bei den Bestellungen 2023 ein dickes, zweistelliges Minus. Insgesamt blieben die Aufträge im Gesamtjahr real zwölf Prozent unter ihrem Vorjahreswert. Und weiterhin sei eine Trendwende nicht erkennbar, heißt es in der am Freitag vorgestellten Jahresbilanz. »In den großen Absatzmärkten Europa, den USA, China fehlt es an Vertrauen in einen dauerhaften globalen Konjunkturaufschwung, den gerade die Investitionsgüterindustrie benötigen würde«, kommentiert der Chefvolkswirt des Verbandes VDMA, Ralph Wiechers, die schlechte Entwicklung.

Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) vertritt mehr als 3000 Unternehmen. Die Mitgliederpalette reicht vom Globalplayer Siemens, mit mehr als 300 000 Beschäftigten weltweit, bis zum Anhaltischen Elektromotorenwerk Dessau (AEM). Dabei ist letzteres mit seinen 200 Jobs typisch für die mittelständisch geprägte Branche. Insgesamt beschäftigt der deutsche Maschinenbau rund 3 Millionen Menschen in der EU, davon mehr als 1,2 Millionen allein in der BRD.

Wenn die neue IG-Metall-Vorsitzende Christiane Benner landauf, landab davon spricht, »wir tun alles, um die Industrie hier zu halten«, steht dahinter die Angst vor einer De-Industrialisierung. Dabei hat keine Volkswirtschaft der westlichen Hemisphäre einen so hohen Industrieanteil wie Deutschland. Hier entsteht der »Mehrwert«, der die eigentliche Stärke des Wirtschaftsstandortes im Vergleich zu Frankreich, Großbritannien oder den USA ausmacht. Das Statistische Bundesamt gibt den Anteil des verarbeitenden Gewerbes mit rund 20 Prozent an. Dazu kommt aber ein bunter Strauß an Dienstleistungen. In Deutschland gefertigte Lastwagen benötigen beispielsweise auch ein länderübergreifendes Netz an Tankstellen und Reparaturwerkstätten; computergesteuerte Drehbänke müssen installiert, gewartet, repariert und ihre Software muss ständig erneuert werden.

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Während sich die Autoindustrie mit der Umstellung auf E-Mobilität schwer tut und die besonders energieintensive Chemiebranche über konkurrenzlos hohe Strompreise klagt, hat der Maschinenbau noch weitere Sorgen. Die Materialknappheit hat zwar wieder abgenommen, geht aus einer aktuellen Umfrage des Ifo-Instituts hervor. Sie bleibt aber weiterhin vor allem im Mittelstand ein Problem. Die schlechte Laune im Maschinenbau resultiert auch aus dem zunehmenden Verwaltungsaufwand. »Bürokratie und beschäftigungshemmende Regelungen müssen abgebaut werden«, fordert der VDMA. Der vorliegende Entwurf für das Bürokratieentlastungsgesetz sei gerade im Arbeitsrecht völlig unzureichend.

Dem stimmen auch Gewerkschafter da und dort zu. Gerade kleine und mittelständische Unternehmen leiden unter der als Regelungswut wahrgenommenen Politik von Ampel und EU. Stichwort: Lieferkettengesetz. Während Konzerne einfach ihre Compliance-Abteilungen personell aufstocken, geht es für Kleinere schnell an die wirtschaftliche Substanz.

Von den Wahlen in diesem Jahr verspricht sich der VDMA allerdings keine Besserung. Als einer der ersten Unternehmensverbände hat er sich politisch klar positioniert: »Die Wirtschaftspolitik der AfD und anderer extremistischer Parteien würde den Standort Deutschland ruinieren.«

Ein weiteres Problem der Branche ist die extreme Exportabhängigkeit. Über 80 Prozent der Maschinen gehen ins Ausland. Der Wettbewerbsdruck vor allem durch chinesische Konkurrenten nimmt zu. »Mit staatlicher Hilfe haben Unternehmen der Volksrepublik in den letzten Jahren die Technologielücke zu ausländischen Wettbewerbern verringert«, analysiert die Außenhandelsabteilung des Bundeswirtschaftsministeriums. So sei Deutschland im Jahr 2020 erstmals von China als Exportweltmeister im Maschinenbau abgelöst worden.

Immerhin brachte der Dezember für sich genommen weniger schlechte Werte. Die Rückgänge bei den Aufträgen seien kleiner geworden. 2024 werde vom Auftragseinbruch noch belastet sein. Man brauche einfach »eine bessere Stimmung«, wirkt Chefvolkswirt Wiechers eher ratlos als optimistisch.

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