Besonnenheit gefordert gegenüber Iran

Außenminister Deutschlands und Großbritanniens auf Besänftigungstour in Israel

  • Cyrus Salimi-Asl
  • Lesedauer: 2 Min.

Mit Verstärkung ist Bundesaußenministerin Annalena Baerbock diesmal nach Israel gereist. Sie nahm ihren britischen Kollegen David Cameron mit – oder er sie. Der Besuch hatte ein klares Ziel: Israel davon abzuhalten, auf den Luftangriff Irans mit einem militärischen Gegenschlag zu antworten oder sich zumindest mit einer milden Reaktion zufriedenzugeben. Baerbock war bemüht, den israelischen Gesprächspartnern Mäßigung als erfolgreiche Strategie zu verkaufen: »Ich rede hier nicht von klein beigeben. Ich rede hier von einer klugen Zurückhaltung, die nichts weniger ist als Stärke«, sagte sie am Mittwoch kurz vor ihrer Abreise in Tel Aviv. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu betonte danach, Israel werde die Entscheidung über eine Antwort selbst treffen.

Bei ihrem Blitzbesuch am Dienstag traf Baerbock auch Außenminister Israel Katz, Staatschef Isaac Herzog sowie den Oppositionsführer Benny Gantz, der ebenfalls dem Kriegskabinett angehört. Katz und Herzog hatten Baerbock gemeinsam mit ihrem britischen Kollegen David Cameron empfangen. Cameron sagte nach den Gesprächen vor britischen Journalisten: »Wir hoffen, dass Israel auf eine Weise reagieren wird, die so wenig wie möglich zu einer Eskalation beiträgt und auf eine Weise, die sowohl intelligent als auch hart ist.«

Baerbock und Cameron waren die ersten westlichen Spitzenpolitiker, die Israel nach dem iranischen Angriff auf Israel besuchten. Baerbock kündigte Iran Konsequenzen an für seinen Angriff auf das israelische Staatsgebiet, sagte sie in Tel Aviv. Die EU plant weitere Strafmaßnahmen, unter anderem gegen das Raketen- und Drohnenprogramm des Iran. In der Schlusserklärung des EU-Gipfels, der an diesem Donnerstag in Brüssel endet, sollen alle Parteien aufgefordert werden, »äußerste Zurückhaltung zu üben und keine Maßnahmen zu ergreifen, die die Spannungen in der Region verstärken könnten«, berichtet die Nachrichtenagentur dpa.

Netanjahu betonte das Recht seines Landes, sich selbst zu verteidigen. Er habe »Vorschläge und Ratschläge aller Art« von Israels Verbündeten erhalten, sagte er. Er wolle jedoch »klarstellen, dass wir unsere Entscheidungen selbst treffen«. Irans Präsident Ebrahim Raisi warnte erneut vor einer »verheerenden« Antwort seines Landes, sollte Israel die geringste »Aggression« gegen den Iran ausüben. Mit Agenturen

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal