Hochhauspläne in Berlin: Stadtkrone am Alex harrt der Umsetzung

Das Baukollegium will an den alten Plänen für die Alexanderplatz-Hochhäuser festhalten – ganz ohne Konkurrenz-Türmchen

Vom Baukollegium unerwünscht: Pläne des Architekturbüros CSMM für einen aufgesetzten Baukörper an der Mollstraße
Vom Baukollegium unerwünscht: Pläne des Architekturbüros CSMM für einen aufgesetzten Baukörper an der Mollstraße

Sie habe »vor allen Dingen heute mitgenommen, was den Alexanderplatz betrifft, also den ganzen Block und dieses Setting mit dem Hochhauscluster, dass wir an diesem gestalterischen Prinzip eigentlich festhalten wollen«. Das sagt Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt (parteilos, für SPD) am Montagabend, ganz am Ende der 102. Sitzung des Berliner Baukollegiums.

Konkret möchte das aus sechs Expertinnen und Experten unter Vorsitz der Senatsbaudirektorin tagende Gremium zwei Hochhausideen von Investoren im Umfeld des Alexanderplatzes deutlich stutzen. Zunächst geht es um das Eckgrundstück Mollstraße/Karl-Liebknecht-Straße.

Aufstockung um mehr als das Doppelte

Die Londoner Vermögensverwaltungsgesellschaft Schroders möchte das derzeit rund 35 Meter hohe Gebäude mit der Adresse Mollstraße 1 auf satte 82 Meter aufstocken. Architekt Philipp ter Braake vom Büro CSMM Architecture Matters gibt sich große Mühe, das bisher öffentlich nicht bekannte Vorhaben als ungemein vorteilhaft für Berlin darzustellen.

So habe man sich intensiv mit der »Höhendynamik« der Umgebung befasst, die eine aufsteigende Linie von seinem Projekt bis zum 368 Meter messenden Fernsehturm bilden soll. Außerdem beschwört er auch eine entstehende Torsituation mit dem rund 200 Meter entfernten Mercedes-Hochhaus an der Otto-Braun-Straße. Nicht zuletzt würde die Intention der »städtebaulichen charakteristischen Merkmale dieser nachkriegsmodernen Stadtplanungsarchitektur« zur Bauzeit 1969/1970 wieder aufgenommen.

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Die Baumasse macht die Rendite

Es ist letztlich das übliche städtebauliche Begründungsrepertoire, auf das Investoren zurückgreifen, wenn sie wesentlich mehr Baumasse genehmigt bekommen wollen, als es das bisherige Planrecht hergibt. Und tatsächlich sind laut Bebauungsplan etwas über 25 000 Quadratmeter Geschossfläche auf dem ehemaligen Areal der DDR-Nachrichtenagentur zulässig. Der Investor möchte mit Aufstockungen die Gebäudefläche im Vergleich zum Bestand auf über 34 000 Quadratmeter fast verdoppeln.

Das Baukollegium nimmt zwar wohlwollend zur Kenntnis, dass mehr Wohnfläche als in dem Bebauungsplan gefordert vorgesehen ist, der Bestand nicht abgerissen werden und auch besonders nachhaltig gebaut werden soll, doch es nutzt nichts. Es »wurde letztendlich doch dafür optiert, dass die Qualität darin besteht, dass man die Konzentration der Hochpunkte doch an der Alexanderstraße beibehält«, erklärt Architektin Birgit Rapp vom Baukollegium.

Büroturm statt Hotelklotz

115 Meter hoch soll nach dem Willen des in der Slowakei sitzenden Investors HB Reavis das Projekt Central Tower an der Jannowitzbrücke werden. Ursprünglich hätte auf dem an der Ecke Stralauer und Alexanderstraße liegenden Grundstück ein 68 Meter hoher Hotelturm entstehen sollen, wofür sich kein Betreiber fand. Nun soll es ein hauptsächlich für Büros genutztes Gebäude werden. Nebenbei soll die Geschossfläche mit 39 000 Quadratmetern um die Hälfte größer ausfallen als vom vorhandenen Baurecht vorgesehen.

Hier meldet Leonie Glabau vom Landesdenkmalamt bei einer derartigen Bauhöhe erhebliche Bedenken an – wegen der Störung von Sichtachsen zu Fernsehturm, Rotem Rathaus oder Nikolaikirche. Es sei »eine wesentliche Beeinträchtigung festzustellen, die aus denkmalfachlicher Sicht nicht positiv abgewogen werden kann«, sagt sie. Maximal eine Höhe von 90 Metern könne sich ihr Haus vorstellen. Für das Baurecht ist in diesem Fall der Bezirk Mitte zuständig.

Bemerkenswert ist, dass das seit nun 30 Jahren geplante »Hochhausgewitter« am Alex einerseits vor Konkurrenz geschützt werden soll, die den Effekt der 130 bis 150 Meter hohen Türme schmälern würde. Doch andererseits scheint eine Komplettierung derzeit nicht in Sicht, wie der Beratungsbedarf zeigt, den die Senatsbauverwaltung selbst beim Baukollegium zur Fortschreibung des sogenannten Kollhoff-Plans anmeldete.

Eigentümer ohne Baulust

Denn obwohl der Immobilienkonzern Aroundtown seit bald vier Jahren Baurecht für zwei Türme an der Alexanderstraße hat, für die der über 200 Meter lange Riegel des ehemaligen Hauses der Elektroindustrie abgerissen werden soll, modernisiert der Konzern das Ensemble und scheint derzeit keine akuten Neubaupläne zu haben.

Das Baukollegium habe »sehr intensiv« über »das Für und Wider des Erhalts von Bestandsbauten« diskutiert, berichtet Architekt Jörg Springer. Doch man halte das Konzept, um den Alexanderplatz »ein Ensemble sehr hoher Häuser in sehr großer Dichte zu haben« für weiterhin »tragfähig«.

Vollbremsung beim Immobilienrausch

Doch hohe Bauzinsen und -kosten sowie sinkende Grundstückswerte haben viele Projektentwickler ins Trudeln gebracht. Der Covivio-Doppelturm, dessen Bau den U2-Bahnhof Alexanderplatz schwer in Mitleidenschaft gezogen hatte, dürfte zwar fertiggebaut werden. Ebenso das Projekt eines Bürohochhauses am Kaufhof, das im Zuge der Signa-Pleite von Commerz Real komplett übernommen worden ist.

Am Alexander Tower des in Moskau sitzenden Unternehmens Monarch jedoch wird seit Ende 2022 nicht mehr gebaut. Angeblich, weil Geld nicht aus Russland transferiert werden kann. Die Verkaufsbemühungen für den Torso aus Fundament und vier Untergeschossen haben bisher nicht gefruchtet. Der US-amerikanische Projektentwickler Hines kündigt zwar einen Baustart 2025 für seinen Turm am Saturn-Würfel direkt auf dem U5-Tunnel an. Ob es wirklich dazu kommt, muss sich noch zeigen.

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