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Ukraine-Gipfel: Teuer erkaufte Erkenntnis
Wolfgang Hübner über das Umdenken des Westens im Ukraine-Konflikt
Dass man das noch erleben darf: Da sitzt im Weißen Haus eine hochrangige Runde westlicher Politiker mit ihrem Schützling Wolodymyr Selenskyj und redet weniger über Waffen und Sanktionen, sondern vor allem über Frieden. Ein Ereignis, das fast schon außerhalb des Vorstellungsvermögens lag. Und das zugleich gezeigt hat, wie kompliziert der Weg zu einem Frieden in der Ukraine ist, von dem noch niemand weiß, ob er von den Ukrainern auch nur annähernd als gerecht empfunden werden kann. Aber das Wichtigste wäre zunächst, dass nach Zehntausenden Toten endlich die Waffen schweigen. Weshalb ein sofortiger Waffenstillstand zu wünschen wäre, den Putin und in seinem Gefolge Trump jedoch ablehnen.
Beide Kriegsparteien haben ihr Ziel nicht erreicht: Die russischen Truppen haben die Ukraine nicht im Eilzugtempo überrollt, um ein Moskau-gefälliges Regime zu installieren, und der Westen hat es trotz zahlloser Sanktionen und riesiger Waffenlieferungen nicht geschafft, Russland in die Knie zu zwingen. Was zu der nicht neuen, aber auf beiden Seiten wieder einmal teuer erkauften Erkenntnis führt: Reden ist besser als Schießen, Frieden und Sicherheit gibt es nur gemeinsam.
Wie aber soll das aussehen? Zunächst müssen die Sicherheitsinteressen der Ukraine und Russlands anerkannt werden. Da scheint sich, was Russland betrifft, im Westen ein Umdenken anzudeuten. Das im Detail auszuhandeln wird wesentlich mühseliger als die von Trump bevorzugten Showtermine, die vor allem seinem Ego schmeicheln. Weitere militärische Angriffe Russlands, aber auch der Ukraine sind dafür der unpassendste Soundtrack. Dass die in Washington versammelten Europäer dem Mann im Weißen Haus nicht weiter blindlings folgen, sondern so etwas wie eine eigene Meinung formulieren, ist besser als nichts. Viel wäre erreicht, wenn bald das Töten endet. Auf einen Frieden, der den Menschen vor Ort gerecht wird, darf man in einer von Imperialinteressen dominierten Welt allerdings nicht hoffen. Und Soldaten aus Nato-Staaten, die unablässig Waffen geliefert haben, sind als Friedenswächter völlig ungeeignet.
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