- Kommentare
- Impfungen
Susan Monarez: Bekämpft, gefeuert, noch unbesiegt
Die Mikrobiologin Susan Monarez soll nicht länger Chefin der US-Präventionsbehörde CDC sein
Eigentlich war von vornherein klar, dass mit Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Impfungen als Bestandteil präventiver Gesundheitspolitik in den USA in schweres Fahrwasser geraten würden. Und naheliegend war auch, dass bei diesem Thema vor allem die US-Gesundheitsbehörde CDC attackiert würde. Susan Monarez wusste also, worauf sie sich einließ, als sie am 31. Juli als Direktorin der Centers for Disease Control and Prevention vereidigt wurde. Zuvor hatte die Mikrobiologin das Amt schon von Januar bis März 2025 kommissarisch ausgeübt.
Nun sieht es so aus, dass die erste Frau in dieser Funktion schon nach weniger als einem Monat wieder gehen muss. Vorangegangen waren etliche Maßnahmen, mit denen aus dem Gesundheitsministerium heraus CDC-Strukturen verändert und Mittel gekürzt wurden. Nachdem die 50-jährige Monarez in diesem Zuge die Entlassung von wichtigen Leitungskräften abgelehnt hatte, kündigten vier dieser hochrangigen Beamten dann von selbst. Die Frage, ob auch Monarez jetzt gehen muss oder von sich aus gehen würde, war einige Zeit unklar. Zuletzt verneinten ihre Anwälte das. In deren Stellungnahme wird »der systematische Abbau öffentlicher Gesundheitsinstitutionen, das Schweigen von Fachleuten und die gefährliche Politisierung der Wissenschaft« kritisiert. Sie warnen davor, dass »unsere evidenzbasierten Strukturen von innen heraus untergraben« würden.
Monarez, die erste nichtärztliche CDC-Direktorin wurde, verfügt über langjährige Erfahrungen aus mehreren Regierungsbehörden, unter anderem jene, die biomedizinische Forschung und Entwicklung beaufsichtigt. Gearbeitet hatte sie auch für das Büro des Weißen Hauses zur Wissenschafts- und Technologie-Politik sowie für die vom früheren Präsiedenten Jo Biden gestartete Agentur für biomedizinische Innovtionsförderung. Im Gegensatz zu dem Arzt Dave Weldon, der Präsident Trumps Kandidat der Wahl für den Posten war, von diesem aber dann zurückgezogen wurde, gilt Monarez als unpolitisch, fachlich versiert und integer.
Auch die Gegner von Monarez wussten, woran sie mit ihre waren: Ihre bisherige Karriere war von den Themen Impfstoffentwicklung und Pandemieprävention bestimmt. Sie promovierte an der University of Wisconsin-Madison und forschte später in Stanford zu Heilmitteln für die Afrikanische Schlafkrankheit sowie Toxoplasmose. Die Wissenschaftlerin wurde als erste CDC-Chefin in der 79-jährigen Geschichte der Behörde vom US-Senat bestätigt. Während des Verfahrens hatte Monarez ihre Unterstützung für Impfungen und fundierte wissenschaftliche Erkenntnisse betont. Impfgegner hatten ihre Nominierung bereits als »Verrat« kritisiert.
Andere Zeitungen gehören Millionären. Wir gehören Menschen wie Ihnen.
Die »nd.Genossenschaft« gehört ihren Leser:innen und Autor:innen. Sie sind es, die durch ihren Beitrag unseren Journalismus für alle zugänglich machen: Hinter uns steht kein Medienkonzern, kein großer Anzeigenkunde und auch kein Milliardär.
Dank der Unterstützung unserer Community können wir:
→ unabhängig und kritisch berichten
→ Themen ins Licht rücken, die sonst im Schatten bleiben
→ Stimmen Raum geben, die oft zum Schweigen gebracht werden
→ Desinformation mit Fakten begegnen
→ linke Perspektiven stärken und vertiefen
Mit »Freiwillig zahlen« tragen Sie solidarisch zur Finanzierung unserer Zeitung bei. Damit nd.bleibt.