Nicht auf Teufel komm raus

Löw setzt beim vorentscheidenden WM-Qualifikationsspiel in Moskau auf die Defensive

  • Von Klaus Bergmann und Arne Richter (dpa), Moskau
  • Lesedauer: 3 Min.

Kunstrasen hin, Kunstrasen her – jetzt gilt's: Mit Blick auf den Roten Platz und die Kremlmauer hat Joachim Löw seine Elf um Kapitän Michael Ballack auf das Spiel des Jahres am heutigen Sonnabend gegen Russland eingeschworen und Gedanken an eine Niederlage im WM-Showdown zum Tabu erklärt. Bloß nicht verlieren – heißt das Motto des Fußball-Bundestrainers, der einen Sieg in Moskau und das direkte Ticket für Südafrika 2010 zwar als Ziel ausgibt – aber schon über einen Punkt im ausverkauften Luschniki-Stadion jubeln würde. »Wir müssen nicht unbedingt gewinnen. Wir müssen nicht auf Teufel komm raus alles auf eine Karte setzen«, erklärte Löw bei einer Pressekonferenz vor über 100 Medienvertretern im Hotel Baltschug Kempinski.

Löw geht mit einem guten Gefühl in das Spiel. Alle 22 Akteure sind einsatzbereit. Seit der Ankunft in Moskau »steigt die Spannung und Konzentration von Stunde zu Stunde«, so Löw. Abwehrspieler Philipp Lahm meint: »Es ist ein Top-Spiel, mit Sicherheit das wichtigste in diesem Jahr.« Ballack ist sich sicher: »Wir werden das nötige Ergebnis erreichen.«

Die DFB-Elf würde mit einem Sieg vorzeitig die Qualifikation für 2010 schaffen. Bei einem Unentschieden bliebe die Chance, sich mit einem Erfolg in der abschließenden Partie am Mittwoch in Hamburg gegen Finnland den Weg über die nervenzehrende Relegation (14./18. November) zu ersparen. »Diese Ausgangslage ist ein Stück weit mit ausschlaggebend für die Taktik«, verriet Löw. »Wir müssen defensiv kompakt stehen, mit elf Spielern hinter den Ball kommen und in der Lage sein, mit allen Spielern zu verteidigen«, ordnete er als Marschrichtung an, um die erste Auswärtsniederlage einer DFB-Elf in 79 Jahren WM-Ausscheidung zu verhindern.

Konzentration heißt Löws Zauberwort. Kleinigkeiten werden das Spitzenduell entscheiden. »Wenn einige Spieler nur auf 90 Prozent kommen, dann werden wir sehen, dass die Russen brandgefährlich sein können.« Auf Erfahrung kommt es für Lahm gegen die technisch versierten und in WM-Qualifikations-Heimspielen noch unbesiegten Russen an. »Wichtig ist, dass es einen Kern gibt, der das Heft in die Hand nimmt«, sagte der Bayern-Verteidiger. Miroslav Klose appellierte, den Geist von Dortmund nach Moskau zu übertragen: »Wir sind nicht nervös, aber natürlich auch nicht entspannt. Der Gegner ist uns ja nicht unbekannt, wir haben schon gegen ihn gespielt – und zwar erfolgreich. Das 2:1 im Hinspiel muss für uns der Maßstab sein.«

Zum Déjà-Vu soll die Partie auch für Torwart René Adler werden. Der Leverkusener könnte mit einem erneuten Galaauftritt ganz wichtige Punkte im Kampf mit Robert Enke, Tim Wiese und Manuel Neuer um den Platz im deutschen WM-Tor machen. Seit 207 Länderspielminuten ist Adler ohne Gegentor. Vor dem mit sechs Länderspielen noch unerfahrenen Adler wird Löw bewährten Größen vertrauen und sein Team um das Gerüst Per Mertesacker, Lahm, Ballack, Bastian Schweinsteiger und Klose bauen. Der WM- und EM-erprobte Arne Friedrich ist heißer Kandidat als rechter Verteidiger und damit möglicher erster Kontrahent von Andrej Arschawin. Russlands Dribbelkünstler ist für Löw der Dreh- und Angelpunkt im Spiel des EM-Halbfinalisten. »Er gehört zu den absoluten Führungsspielern.«

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