Praktikanten streiken für mehr Rechte

Faire Arbeitsbedingungen und gesetzlicher Schutz bei Kundgebung in Berlin gefordert

  • Ina Beyer
  • Lesedauer: 2 Min.
Rund 200 Praktikanten »streikten« am Freitagmorgen auf dem Potsdamer Platz in Berlin für faire Praktikumsbedingungen.

Unter dem Motto »Uns gibt's nicht umsonst« hatte ein Bündnis aus Praktikanten, dem Verein fairwork e.V., der sich für die Rechte von Praktikanten einsetzt, ver.di, DGB-Jugend sowie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zu der Aktion aufgerufen. Initiiert worden sei sie von Praktikanten der »taz«, der Werbeagentur »Scholz&Friends« und der UFA in Potsdam-Babelsberg selbst, sagte die fairwork-Vorstandsvorsitzende Bettina König gegenüber ND.

37 Prozent der Hochschulabsolventen in Deutschland machen mindestens ein Praktikum nach dem Uniabschluss, hieß es in einem Redebeitrag von fairwork e.V. auf dem Potsdamer Platz, die durchschnittliche finanzielle Vergütung liege bei gerade 364 Euro. Nach einer Studie der DGB-Jugend und der Hans-Böckler-Stiftung arbeitet mehr als die Hälfte sogar ohne finanzielle Gegenleistung.

»Das Problem betrifft nicht nur Hochschulabsolventen«, ergänzte ein Vertreter der DGB-Jugend. Auch viele Auszubildende absolvierten nach der Lehre noch ein Praktikum. Darin solle offenbar noch mehr »Berufserfahrung« gesammelt werden.

Von diesen »Warteschleifen«, in denen viele junge Menschen hängen, profitieren Arbeitgeber. Mit der Aussicht auf eine Festanstellung – die dann allzu oft nicht kommt – ködern sie hochqualifizierte Billigarbeitskräfte.

Absolventen könnten in dieser Situation trotz 40-Stunden-Woche mit Überstunden ihren Lebensunterhalt nicht finanzieren, sagte Bettina König vor den Streikenden, profitierten nicht von tariflichen Vereinbarungen und würden zudem um Sozialleistungen betrogen. Viele seien weiter auf Geld von den Eltern angewiesen.

All dies werde man nicht hinnehmen, bekräftigte König. »Ihr müsst aber mit uns kämpfen«, rief sie den Teilnehmern der Kundgebung zu. Von der Politik sei in den nächsten vier Jahren wenig zu erwarten. Schon unter der Großen Koalition seien keinerlei Verbesserungen erfolgt. Unter Schwarz-Gelb stünden die Erfolgsaussichten noch schlechter. König: »Wir müssen selber für unsere Rechte kämpfen.«

Das Bündnis fordert klare arbeitsrechtliche Regelungen für Praktika, faire Arbeitsbedingungen und ausreichende Bezahlung sowie eine zeitliche Begrenzung von Praktika auf höchstens sechs Monate. Darüber hinaus setzen sich die AkteurInnen für rechtliche Regelungen ein, die verhindern, dass Vollzeitarbeitsplätze durch Praktika ersetzt werden.

Die DGB-Jugend forderte die neue Bundesregierung laut einer Mitteilung auf, sich für faire Praktika einzusetzen. PraktikantInnen bräuchten gesetzlichen Schutz.

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