Erbsenzähler

  • Jürgen Amendt
  • Lesedauer: 1 Min.

Bildung, Bildung, Bildung, skandierte Schwarz-Gelb im Bundestagswahlkampf. Dazu gehörte auch das Versprechen, mehr Geld in das Bildungssystem zu investieren. Es geht schließlich um die Zukunft. Davon ist heute schon längst nicht mehr die Rede.

Nicht nur die Folgen der Wirtschaftskrise haben die Politik kleinmütiger werden lassen. In Zeiten klammer Kassen und großzügiger Steuergeschenke haben die Finanzpolitiker das Ruder übernommen und die denken in anderen Zeitdimensionen. Geld für Straßenbau oder staatliche Rüstungsaufträge schaffen unmittelbar Arbeitsplätze (oder erhalten wenigstens welche), aber mehr Geld für Schulessen oder kleinere Klassen? Das rechnet sich kurzfristig nicht, und ob sich langfristig eine Rendite einstellt, vermögen die Erbsenzähler hinter ihren Aktenbergen nicht zu sagen. Notfalls kann die Wirtschaft sich qualifizierte Arbeitskräfte selbst ausbilden oder sie im Ausland anwerben.

Wobei Ausland ein relativer Begriff ist. Bayern, das seit Jahrzehnten zu wenig Hochschulabsolventen »produziert«, lebt zum Beispiel ganz gut damit, den akademischen Nachwuchs aus Ländern wie Nordrhein-Westfalen oder Berlin zu rekrutieren. Hierdurch sparen sich die Bayern Hochschulkosten, was sich wiederum positiv auf den Staatsetat niederschlägt. Warum hört man auf den Bildungsdemos eigentlich nicht den Ruf »Brecht die Herrschaft der Finanzminister!«?

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