Debakel für Handballer

Deutschland unterliegt Norwegen 25:35 und spielt nur um WM-Platz elf

  • Von Mark Wolter, Jönköping
  • Lesedauer: 3 Min.

Johannes Bitter war der Letzte, der sich noch gegen die Niederlage aufbäumte. Eine Viertelstunde vor Schluss schrie der Torhüter der deutschen Handballer die Kollegen vor sich noch mal anfeuernd an. Drei Gegentreffer später, bei einem Rückstand von sieben Toren, ließ auch er die Blamage gegen Norwegen über sich ergehen. 25:35 verlor das deutsche Team das letzte Hauptrundenspiel bei der WM vor nur knapp 3000 Zuschauern in Jönköping und schlich noch frustrierter vom Feld als am Vorabend beim 25:27 gegen Ungarn.

Durch die beiden Niederlagen verfehlte das DHB-Team den vorher als Ziel ausgegebenen und für die Olympiaqualifikation benötigten siebten Platz und spielt morgen in Kristianstad nur um Rang elf. »Das tut weh und ist sehr enttäuschend«, sagte Bundestrainer Heiner Brand. »Die Qualität anderer Mannschaften ist höher, wenn wir nicht an unsere Grenzen gehen.«

Vom Maximum war die deutsche Mannschaft wie am Vorabend weit entfernt. Auch die Umstellungen von Brand nach der blutleeren Vorstellung gegen Ungarn zahlten sich nicht aus. Kapitän Pascal Hens, Uwe Gensheimer und Adrian Pfahl mussten zunächst auf der Bank Platz nehmen. Lars Kaufmann, Dominik Klein und Holger Glandorf kamen dafür aufs Feld und spielten eine offensivere Deckung mit einem vorgezogenen Abwehrmann. Die Norweger ließen sich davon nicht stoppen und führten schnell 4:2. Mitte der ersten Hälfte konnte Christian Sprenger für die deutsche Mannschaft das einzige Mal ausgleichen. Etliche technische Fehler sorgten aber dafür, dass das bisher nicht gerade überzeugende Norge-Team kurz vor der Halbzeit auf 15:10 davonzog und den Vorsprung im zweiten Abschnitt kontinuierlich auf zehn Tore ausbaute.

Schon im Spiel gegen Ungarn tags zuvor hatte Brands Mannschaft nicht viel entgegenzusetzen gehabt. Das Selbstbewusstsein und die Leichtigkeit, von der die Spieler nach dem Sieg gegen Island noch geschwärmt hatten, war weg. »Die Spieler waren nicht frisch und der Kopf nicht klar. Uns fehlte die Begeisterung«, war der Bundestrainer genauso ratlos wie sein aufgebrachter Schlussmann: »Ich verstehe nicht, warum wir mal gut spielen und mal so kacke«, verlor Torwart Bitter nach dem Spiel die Fassung. »Wir haben zehn Prozent zu wenig gegeben. Und ich verstehe nicht warum.«

Besonders wenig war von den Führungsspielern zu sehen. »Wir hätten mehr von uns erwartet«, meinte Kapitän Pascal Hens, der in beiden Partien insgesamt nur einmal traf. »Im Angriff haben wir durchweg keine gute Leistung gebracht«, meinte Brand. »Vielleicht waren wir nach dem Island-Spiel auf einem Höhenflug und dachten, dass wir jetzt alles locker runterspielen«, ärgerte sich Spielmacher Michael Kraus über die verschenkte Chance, die WM doch noch zu einem guten Ende zu bringen.

Hauptrunde, Gruppe I

Ungarn - Deutschland 27:25 (10:12)
Norwegen - Frankreich 26:31 (14:17)
Deutschland - Norwegen 25:35 (13:17)
Spanien - Ungarn n. Red.
Frankreich - Island n. Red.

1. Frankreich 4 126:101 7
2. Spanien 4 118:103 7
3. Island 4 109:107 4
4. Ungarn 4 103:117 4
5. Norwegen 5 133:143 2
6. Deutschland 5 124:142 2

Gruppe II

Kroatien - Polen n. Red.
Serbien - Argentinien n. Red.
Dänemark - Schweden n. Red.

1. Dänemark 4 128:107 8
2. Schweden 4 103:97 6
3. Polen 4 99:101 4
4. Kroatien 4 114:105 3
5. Argentinien 4 92:113 2
6. Serbien 4 101:114 1

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