Tiki-Taka-Hüter

Josep Guardiola / Der Fußballtrainer (40) gewann mit Barcelona erneut die Champions League

Ob Sir Alex Fergsuon seinen spanischen Konkurrenten Pep Guardiola nach dem Champions-League-Finale zu einem Glas Rotwein eingeladen hat – so wie es der Schotte mit geschätzten Trainerkollegen nach großen Fußballspielen gerne macht – ist nicht überliefert. Dafür durfte weltweit jeder an den Fernsehbildschirmen mithören, wie der 69-jährige Coach von Manchester United nach der 1:3-Finalniederlage gegen den FC Barcelona den Spanier als »einen der besten Trainer der Welt« adelte.

Als Ferguson 1983 mit dem FC Aberdeen seinen ersten Europapokaltitel holte, war Josep Guardiola i Sala, kurz Pep genannt, gerade 12, lebte in seinem vor den Toren Barcelonas gelegenen Heimatort Santpedor und kickte für Gimnàstic de Manresa. Kurz darauf zog er in »La Masia« ein, der Nachwuchsakademie des FC Barcelona. Als 18-Jähriger entdeckte ihn der legendäre und damals für die Profis verantwortliche Niederländer Johan Cruyff und holte ihn in die erste Mannschaft. Was folgte, war die große Ära der neunziger Jahre. Als Cruyffs verlängerter Arm auf dem Spielfeld gewannder Abwehrspieler Guardiola sechs Meisterschaften, mehrere nationale Pokale und Barcas ersten Europapokal der Landesmeister 1992.

Guardiola kennt den Verein und die ihn seit Cruyffs Zeiten auszeichnende Philosophie von klein auf. Nach ein paar Jahren in Italien und dem Karriereende als Spieler 2006 bei Mexikos Erstligisten Dorados de Sinaloa kam er ein Jahr später zurück nach Barcelona, als Trainer der B-Elf, 2008 als Chefcoach. Seither eilt der besonnene, höfliche und galant gekleidete Katalane nicht nur von Erfolg zu Erfolg – der in London war der zehnte Titel von 14 möglichen seiner Amtszeit. Er hat vor allem mit Feingespür für seine Ballkünstler das von allen Seiten so bewunderte, zirkulierende Kurzpassspiel perfektioniert. »Stolz macht mich vor allem, wie wir dieses Finale gewonnen haben«, sagte der Hüter der Tiki-Taka genannten Spielweise.

Ein Jahr will Guardiola diese Rolle mindestens noch ausfüllen. Dann wird es ihn vielleicht auch reizen, sich mit dem Modell Barca auch bei anderen Vereinen zu versuchen. Vielleicht ja als Nachfolger von Ferguson. Dessen Trainerkarriere neigt sich dem Ende zu, die von Guardiola hat gerade erst begonnen.

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