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Einblicke statt Vorurteile

Kurdische Kulturtage in Nürnberg

  • Von Martin Dolzer, Nürnberg
  • Lesedauer: 4 Min.
Kurdische Kultur und Politik stehen in einer engen Beziehung - auch bei den 3. Kulturtagen in Nürnberg.

»Wir sehen die Kulturtage als Brücke zwischen Vereinen, Organisationen und Menschen aus sämtlichen Kulturen. Sie sind eine gute Plattform für kurdische Künstler, Schriftsteller, Dichter, und Filmemacher« so Ali Salim, einer der Initiatoren der Kurdischen Kulturtage in Nürnberg. »Die Kurden werden in den Medien und in der Öffentlichkeit oft nur im Rahmen von Protesten wahrgenommen. Wir wollen Menschen die Möglichkeit geben unsere Kunst und Kultur in all Ihren Aspekten aus erster Hand kennen zu lernen. Dabei streben wir eine positive Rückwirkung auf das tägliche Leben der kurdischen Migranten sowie die politische Situation in Kurdistan an,« schildert der 33-jährige Projektleiter.

»Unser Anliegen ist darüber hinaus Jugendlichen die Erkenntnis zu vermitteln, dass sie diejenigen sind, die die Verantwortung tragen den Reichtum unserer Kultur zu begreifen und zu entwickeln, ergänzt Ibrahim Isik, der als Moderator durch mehrere Veranstaltungen führte.

An mehreren Veranstaltungsorten, darunter dem städtischen Kulturzentrum Komm, fanden Konzerte, Podiumsdiskussionen, Filmvorführungen, Lesungen und Folkloretanzaufführungen statt. Im Rahmenprogramm gaben Fotoausstellungen und Informationsstände die Möglichkeit sich über das Leben in der Provinz Hakkari, ein Teppichwebereikollektiv in Van sowie kurdische Literatur und Musik zu informieren. Im Rahmen einer Lesung stellten u.a. die Schriftsteller Günay Aslan und Ahmet Karaman ihre Werke vor. Der Film Mes (Walking), ein Beitrag des Filmprogramms, handelte von der Situation in der Türkei nach dem Militärputsch 1980.

Der Bundestagsabgeordnete Harald Weinberg (LINKE), brachte in einem Grußwort zum Ausdruck, dass insbesondere für Kurden Politik und Kultur untrennbar miteinander verbunden sind. Weinberg kritisierte die anhaltenden Menschenrechtsverletzungen in der Türkei. Er selbst erlebte im Verlauf einer Wahlbeobachtungsdelegation im Juni 2011 einen Anschlag aus Kreisen des Militärs auf die Bevölkerung in Sirnak aus wenigen Metern Entfernung. »Die Rechte der Kurden müssen endlich anerkannt werden,« so der Bundestagsabgeordnete.

»Ministerpräsident Erdogan hat im Verlauf von Besuchen in der Bundesrepublik betont, dass die türkischen Migranten ein Anrecht auf Integration haben und nicht der Versuch unternommen werden sollte sie zu assimilieren. Die AKP Regierung muss auch der kurdischen Bevölkerung und ethnischen wie religiösen Minderheiten in der Türkei dieses Recht wie auch eine Demokratische Selbstbestimmung zugestehen,« forderte die Abgeordnete der im türkischen Parlament vertretenen Friedens und Demokratiepartei BDP, Aysel Tugluk, im Rahmen einer Podiumsdiskussion.

Seit 2009 wurden in der Türkei mehr als 6500 kurdische Politiker und Aktivisten inhaftiert. Darunter befinden sich sechs Parlamentarier und 31 Bürgermeister. In den letzten Wochen intensivierte die türkische Regierung Militäroperation in Kurdistan. »Wir streben dagegen Frieden und eine grundlegende Demokratisierung der Türkei sowie eine bündnisorientierten Zusammenarbeit mit der türkischen Linken, den ArmenierInnen, den AlevitInnen und weiteren ethnischen und religiösen Bevölkerungsgruppen an. Die AKP muss ihre Kultur der Gewalt und Unterdrückung beenden,« erklärte die Parlamentarierin und Anwältin. »Die AKP befindet sich in einer politischen Sackgasse. Sie unternimmt keine ernsthaften Schritte der Demokratisierung,« erläuterte der Schriftsteller und Journalist Veysi Sarisözen.

»Letztlich kann nur ein Dialog zwischen sämtlichen am Konflikt beteiligten Akteuren einschließlich der PKK und Abdullah Öcalan zu einer Lösung des Konfliktes führen. Ich denke wir haben als europäische Linke die Verantwortung die EU zu demokratisieren und dadurch positiv auf den Konflikt einzuwirken,« so Andrej Hunko, Bundestagsabgeordneter der Linkspartei.

Mehr als 1500 Menschen nahmen aktiv und mit sichtlicher Begeisterung an den 3. Kurdischen Kulturtagen teil. Die Veranstalter sehen sie als Pilotprojekt für ähnliche Veranstaltungen in weiteren Städten. Marion Padua, Stadträtin der Linken Liste Nürnberg und Initiatorin der Initiative für Betroffene eines Erdbebens »Nürnberg hilft Wan« resümiert: »Ich habe in einer herzlichen Atmosphäre viel gelernt. Die kurdische Kultur zeichnet ein sehr großer Reichtum und eine ungeheure Vielfalt aus. Es wäre wichtig die kurdische Identität auch behördlicherseits in der Bundesrepublik endlich anzuerkennen. Um dazu beizutragen, müssen wir als Linke hier in Deutschland eine viel größere Solidarität entwickeln.«

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