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Sommer wie Winter

Auch in diesen Wochen sind Obdachlose auf Hilfe angewiesen - ein Blick nach Sachsen-Anhalt

  • Von Sabine Fuchs, dpa
  • Lesedauer: 3 Min.
Obdachlose unter der Brücke oder vor dem Luftschacht am Kaufhaus sind in Sachsen-Anhalt kaum zu finden. Doch es gibt eine Reihe von Menschen, die ihre Miete nicht mehr zahlen können und in Wohnheimen Unterkunft suchen. Allerdings wird in der kalten Jahreszeit viel öfter über sie berichtet als im Sommer.

Magdeburg. Nicht nur im Winter sind Obdachlose und Hilfsbedürftige in Sachsen-Anhalt auf Unterstützung angewiesen. Auch im Sommer suchen sie Unterkünfte und immer öfter auch ein Gespräch mit Sozialarbeitern. Die Kommunen im Land geben sich vielerorts große Mühe, den Bewohnern ein menschliches Zuhause zu bieten, wie eine dpa-Umfrage ergab.

Angaben über die Zahl der Obdachlosen im Land gibt es nicht, denn sie sind meist nicht registriert, sagte ein Sprecher des Sozialministeriums von Sachsen-Anhalt. Doch fest steht, dass die meisten von ihnen in den größeren Städte des Landes leben. Die Landeshauptstadt Magdeburg unterhalte zwei Einrichtungen für Obdachlose, sagte eine Sprecherin der Stadtverwaltung. In den zurückliegenden drei Jahren sei das Übergangswohnheim für Männer durchschnittlich mit 47,2 Prozent und die soziale Wohneinrichtung für Frauen und Familien mit 42,9 Prozent ausgelastet gewesen. Im ersten Halbjahr 2012 sei die Belegung für Alleinstehende auf durchschnittlich 64,2 Prozent und die für Frauen und Familien auf 45,7 Prozent gestiegen. »Es ist auffallend, dass immer mehr Obdachlose psychische Probleme haben«, sagte Sprecherin Cornelia Poenicke. Diese kämen im Winter ebenso wie in den Sommermonaten.

Das bestätigt Heike Müller, die seit 13 Jahren Chefin der Bahnhofsmission Halle ist: »In den zurückliegenden Jahren hat die Zahl der Bedürftigen mit psychischen Problemen zugenommen.« Ein kurzes Hallo reiche oft nicht mehr aus, längere Gespräche seien immer öfter notwendig. »Täglich kommen etwa 30 bis 44 Bedürftige, das ist Sommer wie Winter gleich.« Sie bekommen ein Frühstück und dürfen sich zum Beispiel von 8 Uhr morgens bis Mittag in der Mission aufhalten. Übernachten können sie dort nicht.

»Wirklich auf der Platte lebt in Halle niemand«, sagte der Referatsleiter für materielle Hilfe des Sozialamtes der Stadt, Uwe Theiß. Es gebe mehrere Unterkünfte, zum Beispiel das »Haus der Wohnhilfe«, in dem auch dauerhaft Sozialarbeiter beschäftigt sind. Zur Regelung bei Mietschulden habe die Stadt im vergangenen Jahr mehr als 230 000 Euro ausgegeben. »Dem stünden zwar 2,6 Millionen Mietschulden aus dem Jahr 2011 gegenüber, doch mit der Isomatte vor dem Luftschacht muss in Halle niemand leben, das soziale Auffangnetz ist eng«. Wer dennoch auf der Straße lebe, wolle es nicht anders.

In Stendal steht das Obdachlosenheim derzeit leer, obwohl es auch im Sommer Bedürftige aufnimmt. »Dort stehen etwa 30 Plätze zur Verfügung«, sagte Sybille Stegemann vom Büro des Oberbürgermeisters. Zusätzlich gebe es noch einige Betten als Notunterkünfte für die kurzzeitige Unterbringung nach Wohnungsbränden oder einem Heizungsausfall. In den vergangenen Jahren seien Teilbereiche der Unterkunft modernisiert worden. Mehr als 50 000 Euro seien seit 2010 dafür ausgeben worden. In Naumburg kümmert sich ein gemeinnütziger Verein um die Obdachlosenunterkunft »Herberge zur Heimat«. Dazu sei im Jahr 2003 eine Vereinbarung mit der Stadt getroffen worden, die den Verein finanziell unterstütze, sagte Armin Müller, Leiter des Büros des Oberbürgermeisters. Aktuell seien zwei Obdachlose dort untergebracht.

Das Spendenverhalten der Menschen für Obdachlose und Bedürftige ist in Sachsen-Anhalt unterschiedlich. »Mit Ausnahme von geringwertigen Sachspenden ist eine Spendenbereitschaft nicht zu verzeichnen«, so Sybille Stegemann vom Büro des Oberbürgermeisters in Stendal. Anders sieht es in Halle aus: »Wir können nicht klagen, zum Beispiel kam erst kürzlich ein Reisender in die Mission und drückte uns einen 50 Euro-Schein in die Hand«, sagte Heike Müller.

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