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  • Sport
  • Hooligans wüteten in Rostock

Plünderungen und Straßenschlachten

Rostock (ND/ADN). Mit dem in ihrer Fußballgeschichte bisher größten Polizeiaufgebot von 600 Mann versuchte sich die Stadt Rostock am Sonnabend vergeblich vor randalierenden Fußballfans zu schützen. Etwa 500 Berliner Hooligans, die bereits drei Stunden vor Anpfiff des Spiels FC Hansa gegen FC Berlin mit dem Zug eingetroffen waren, wurden von Polizisten zum Stadion begleitet, dort aber nicht eingelassen. Der Grund soll gewesen sein, daß sie die Annahme der ihnen zugeschickten Karten verweigert hatten, wohl, wie ein Polizeisprecher meinte, weil sie ihnen zu teuer waren.

Die Jugendlichen zogen später durch die Rostocker Innenstadt, wobei sie in einer Geschäftsstraße Dutzende Schaufensterscheiben einschlugen, Auslagen und Autos demolierten sowie Personen, darunter einen der Ladenbesitzer, angriffen und zum Teil ernsthaft verletzten. Nach ersten Feststellungen wurden 17 Geschäfte geplündert. Auch rund um das Ostseestadion kam es zu Schlägereien zwischen Berliner und Rostocker Fans, die jedoch durch Angehörige des Bundesgrenzschutzes aus Oldenburg und der Rostocker Polizeidirektion weitgehend unter Kontrolle gehalten werden konnten.

Die Tumulte setzten sich in dem mit 8 000 Zuschauern besetzten Stadion fort, wobei sogar Kinder in die Angriffe einbezogen und verletzt worden sein sollen.

Bevor die randalierenden Fußballfans in den Abendstunden mit dem Zug wieder Rostock verließen, kam es am Bahnhof erneut zu starken Auseinandersetzungen, bei de-

nen die Polizei mit Wasserwerfer und Reizgas vorging.

Bei den Zusammenstößen wurden zwei Polizisten verletzt, von denen einer ins Krankenhaus eingeliefert werden mußte.

Durch die weiträumigen Absperrungen im Zusammenhang mit dem Fußballspiel und den Randalen kam der Verkehr in Rostock für Stunden fast völlig zum Erliegen.

Die Vorfälle von Rostock werfen Fragen auf. Die Präsenz der Polizei läßt darauf schließen, daß die für Sicherheit Zuständigen geahnt haben, was im Zusammenhang mit diesem Fußballspiel auf sie zukommen würde. Dennoch sind Fehler unterlaufen, weil im Vorfeld banale Dinge offensichtlich nicht beachtet wurden. Warum mußte der Sonderzug mit den Berliner Hooligans schon drei Stunden vor Anpfiff des Spiels in Rostock eintreffen? Warum war das Marathontor noch verschlossen, als der Troß in das Stadion wollte? Wer Hooligans Zeit gibt, sich in der Stadt festzusetzen, muß davon ausgehen, daß dies nicht gutgehen kann. Zumal die Berliner Hooligans mit zu dem härtesten Kern in dieser Szene zu rechnen sind.

Der Rostocker Hansa-Präsident gab den finanziellen Verlust durch das kartenlose Erstürmen des Stadions mit 8 000 DM an. Eine Summe, die in Anbetracht der Verwüstungen geradezu harmlos zu nennen ist.

Die Randale von Rostock fordern eine Schlußfolgerung: Hooligans unter Kontrolle zu bekommen, verlangt eine detaillierte Sicherheits-Vorbereitung. Die Fehler, die hier gemacht wurden, müssen künftig vermieden werden.

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