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Wir bleiben, bis die A 20 gestoppt ist

Hüttendorf der Autobahngegner bei Jarmen widerstand Räumungsanordnung

Die von der Bundesregierung im Rahmen der „Verkehrsprojekte Deutsche Einheit“ geplante A 20 (Hamburg-Szczecin) stößt auf Widerstand. Die Gegner der Autobahn werfen Bonn vor, im Interesse einiger Großkonzerne Landschaftszerstörung in großem Stil zu betreiben. 20 von ihnen errichteten im Juli ein Hüttendorf auf dem Gelände des umstrittensten Bauabschnitts - der Peenequerung bei Jarmen. Unterstützt durch Vertreter von Parteien, Initiativen, Projektwerkstätten und Umweltschutzverbänden wollen sie dort bleiben, bis die A 20 endgültig gestoppt ist. Ein Report von KATRIN BRODHERR.

Es ist kalt und neblig im Landkreis Ostvorpommern. Das Hüttendorf, nur 100 m von der B 96 zwischen Jarmen und Breechen an der Peene gelegen, ist von der Landstraße kaum auszumachen. Auf den ersten Blick wirken die sechs Holzhütten und fünf Bauwagen wie ausgestorben. Vera und Pauli halten allein die Stellung im Dorf, während der Rest der Dorfbewohner in Greifswald neue Flugblätter herstellt.

In der Hütte ist es gemütlich warm. Ein Ofen bullert, Teppiche und Plexiglasscheiben schützen vor Zug. Fast alle Wohnhütten sind mittlerweile winterfest gemacht. Das nötige Material erhielten die Umweltaktivisten von einem Greifswalder Abbruchunternehmen - als Lohn für sechs Wochen harte Arbeit. Mit dem Hüttendorf wollen sie Protestmöglichkeiten vorleben, Mut zum Widerstand machen und die Zusammenarbeit unter den Autobahngegnern verstärken. „Die hiesigen Bürgerinitiativen hatten die Hoffnung schon aufgegeben“, erinnert sich Pauli. Der 23jährige Kieler ist von Beginn an dabei, die zwei Jahre jüngere Vera aus Sachsen ebenfalls. Nach vier Monaten unermüdlicher Öffentlichkeitsarbeit sehen beide keinen Grund zur Resignation: „Wir haben das.Thema A 20 wieder ins Gespräch gebracht.“

Das Hüttendorf weckt Interesse. Meist kommen Neugierige, die einen kurzen Blick auf das Gelände werfen wollen, nähere Kontakte entstehen nur zögerlich. Bei Veras kurzgeschorenen Haaren und Paulis streifig rasiertem Schädel ist das Cliche vom Chaotenhaufen schnell zur Hand. Beide wollen deshalb keine persönlichen Angaben machen, aus Angst, Vorurteile zu bestätigen. Einige Autobahnbefürworter äußerten ihren Unmut über das Hüttendorf bereits unmißverständlich. „Heute brennt ihr ab“, riefen sie den Umweltschützern zu. Wirklich bedroht hat sich Vera jedoch nie gefühlt. Auch nicht als Jugendliche Flaschen und'Steine auf das Gelände warfen und dabei „Heil Hitler“ skandierten.

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