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  • Politik
  • »Minna von Barnhelm« in den Kammerspielen des Deutschen Theaters

Glück und Einsamkeit

  • Von Hans-Dieter Schutt
  • Lesedauer: 2 Min.

Eine »gewisse nördliche Wärme« bescheinigte Alfred Kerr der. Kqmüdie von Gotthold Ephraim Lessing. Genau, gähnau. Da ist auch noch der Vorsommer, der ohnehin mit seinen Luftspielen den Lustspielen des Theaters Konkurrenz macht. Allzumal auf dem Vorhof des Deutschen Theaters. Wirklich: unwirklich lieblich.

Und da ist ein Krieg, dessen Existenz nun in alle Spalten aller Theatertexte zu kriechen und die Interpretationen zu bestimmen scheint. Gerade bei »Minna von Barnhelm«! Mit diesem abgedankten Major von Teilheim aus dem Siebenjährigen Krieg, der beleidigte Soldatenehre als beleidigte Menschenehre nimmt. Und dem Fräulein Minna, das ihren Major mit Lust und List, liebend und selber leidend, aus der Uniform falscher Moral schüttelt.

Ich denke, Regisseurin Amelie Niermeyer ging den richtigen Weg, ganz aus dem Innern der Komö'die heraus ein Spiel zu entwickeln, das vordergründige Analogien vermeidet. Es findet gleichsam eine Entführung zunächst ins Schwankhafte statt. Die Regie weiß, daß aus jenem dramaturgischen Stoff, aus dem die »Minna« ist, auch alle Komödienstadel-Versatzstücke geschneidert sind: im Herzen gute, aber etwas langweilige Herrschaft; poltrige, quicklebendige Dienerschaft; ein glücklicher Zufall, der kurz vorm Schluß die Wogen glättet.

Nina Hoss: Ruhig, souverän-, aufblühend im Kampf um Tellheim wird sie doch zugleich brüchiger, trauriger, im Aufschrei still. Theater ist dort am schönsten, wo sich eine große Emotion nicht von ihrer Gegenteilsregung unterscheidet. Nina Hoss ist auf der Suche nach solchen seltenen Sekunden.

Guntram Brattia als Tellheim: die Wunde, die sich durchs lustige Stück schleppt. Ein verkrampfter, schmerzge-

plagter Kleinling, der seine Zeit braucht, ehe er auch als Mensch so ausstrahlt wie als Militär. Deftig, deutlich die Franziska der Claudia Hübbecker; deftig, deutlich

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