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Noch nichts im grünen Bereich

NABU: Zaghafte Fortschritte beim Erhalt der Artenvielfalt durch EU-Agrarpolitik gefährdet

Seit heute beraten im indischen Hyderabad auf dem UN-Weltnaturschutzgipfel die Staaten der Welt über Schutz und Erhalt der biologischen Vielfalt. Im Vorfeld hat der Naturschutzbund Deutschland (NABU) gemeinsam mit seinem Partnerverband BirdLife eine Bilanz der EU-Naturschutzpolitik vorgelegt.

Nachdem das ursprüngliche Ziel der Weltgemeinschaft, den Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2010 zu stoppen, deutlich verfehlt wurde, einigten sich die Regierungen von 193 Staaten vor zwei Jahren im japanischen Nagoya darauf, dies nunmehr bis 2020 zu erreichen. Mit einer eigenen Biodiversitätsstrategie und den darin formulierten sechs Naturschutzzielen übernahmen die 27 EU-Mitgliedstaaten eine Art Vorreiterrolle. Eine in der vergangenen Woche vorgelegte NABU-Studie zu dieser Verpflichtung zeichnet allerdings ein ernüchterndes Bild.

Lediglich bei einem Ziel, der Umsetzung der Naturschutzgesetze, konnten die Verfasser wesentliche Fortschritte feststellen. So konnte einzelnen Arten geholfen und das europaweite Schutzgebietsnetz Natura 2000 fast komplettiert werden. Dieses weltweit größte Naturschutznetzwerk - es erstreckt sich auf knapp 18 Prozent der Landfläche des Kontinents - wird dann auch als bedeutendster Erfolg bezeichnet. Allerdings gibt es auch da Mängel hinsichtlich des Managements und der Finanzausstattung in den einzelnen Ländern. So befindet sich Deutschland beim Management lediglich im Mittelfeld, bei der Finanzierung der Natura-2000-Gebiete sogar unter den Schlusslichtern, während Rumänien hier einen Spitzenplatz einnimmt.

Bei der Umsetzung weiterer Naturschutzziele attestiert die Studie der EU immerhin erhöhte Bemühungen, so bei der Wiederherstellung von Ökosystemen, der Bekämpfung invasiver Arten und für eine nachhaltigere Fischerei. Bei der Wahrnehmung der globalen Verantwortung für den Naturschutz gibt es Kritik: »Europäische Kommission und Mitgliedstaaten zeigen eine erschreckende Ignoranz im Umgang mit der Bioenergienutzung und ihren Folgen für globale Ökosysteme«, heißt es in der Studie. So weigere man sich nach wie vor, die Folgen von indirekten Landnutzungsänderungen für Klima und Artenvielfalt in die Nachhaltigkeitskriterien für Biokraftstoffe aufzunehmen. Aktuell liegen laut Studie 60 Prozent der Flächen, die die EU für Biomasse- und Futtermittelanbau beansprucht, außerhalb Europas.

Auch vom Ziel einer naturverträglichen Landwirtschaft ist Europa weit entfernt, wird festgestellt. Trotz mehrerer Reformen bleibe die gemeinsame europäische Agrarpolitik seit 50 Jahren eine wesentliche Ursache für den Artenverlust und die Schädigung des Naturhaushalts. Der NABU mahnt daher eine ökologische Reform der Agrarsubventionen an.

Die Studie im Internet: www.nabu.de/downloads/ eu-biodivbericht2012.pdf

Die Rückverwandlung von Wiesen in Ackerland bedroht auch bei uns viele Arten Foto: W. Ewert

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