#Twitter zwitschert Richtung Börse

Kurznachrichtendienst reicht Dokumente für Neuemission ein / Wert wird auf bis zu 15 Milliarden Dollar geschätzt

  • Lesedauer: 3 Min.

New York (Agenturen/nd). Nach dem Online-Netzwerk Facebook will auch der Kurznachrichtendienst Twitter an die Börse gehen. Das US-Unternehmen teilte am Donnerstag per Twitter-Nachricht mit, bei der US-Börsenaufsicht SEC die Dokumente für eine Neuemission eingereicht zu haben. Experten schätzen den Wert von Twitter auf zehn bis 15 Milliarden Dollar (7,5 bis 11,3 Milliarden Euro).

In den vergangenen Monaten war immer wieder über einen bevorstehenden Börsengang von Twitter spekuliert worden. Das 2006 gegründete Unternehmen ist eines der am schnellsten wachsenden sozialen Netzwerke im Internet und zählt nach eigenen Angaben mehr als 200 Millionen aktive Nutzer weltweit. Einer Analyse der Webseite »Statistic Brain« zufolge hat die Kommunikationsplattform sogar mehr als 500 Millionen aktive Nutzer und wächst täglich um 135.000 Mitglieder.

Der geplante Börsengang von Twitter wird in der Technologiebranche ähnlich heiß erwartet wie das Börsendebüt von Facebook im Mai vergangenen Jahres. Der Facebook-Kurs war nach der von Pannen überschatteten Neuemission zunächst eingebrochen, liegt mittlerweile aber über dem Ausgabepreis.

Twitter nutzt eine neue Möglichkeit für einen »vertraulichen« Börsengang, wie das Unternehmen mitteilte. Demnach müssen Firmen mit einem Jahresumsatz von weniger als einer Milliarde Dollar weniger Informationen öffentlich machen. »Das heißt, sie haben etwas zu verbergen«, sagte der Analyst Trip Chowdhry von Global Equities Research. »Wir wissen nicht, wie es dem Unternehmen seit zwei Jahren geht. Das stellt die Glaubwürdigkeit der Firmenführung in Frage.«

Eine »großen Erfolg« für den Börsengang erwartet hingegen der Investor Lou Kerner. Er verwies auf das enorme Wachstum von Twitter sowie die »Love Story« der Märkte mit den sozialen Netzwerken.

Die Twitter-Nutzer können sich untereinander vernetzen und Kurznachrichten verschicken. Diese sogenannten Tweets dürfen maximal 140 Zeichen lang sein. Oft werden dabei auch Verlinkungen zu Webseiten, Fotos oder anderen Dokumenten versendet. Schätzungen der Marktforschungsfirma eMarketer zufolge dürfte Twitter in diesem Jahr 582,8 Million Dollar an Werbeeinnahmen erzielen. Im kommenden Jahr könnte die Summe auf knapp eine Milliarde Dollar ansteigen.

Die Plattform, die anfangs als Netzwerk zum Austausch von Belanglosigkeiten belächelt wurde, hat in den vergangenen Jahren stark an politischer und gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Die Demonstranten in der arabischen Welt nutzten Twitter, um die staatliche Zensur zu umgehen und ihre Aktivitäten zu koordinieren. Vor allem in den USA treten Politiker über das Netzwerk direkt mit Wählern in Kontakt, Behörden verschicken über Twitter Mitteilungen.

Auch in der Unterhaltungsbranche erfreut sich Twitter großer Beliebtheit. Viele Sänger und Schauspieler wenden sich über die Kommunikationsplattform an ihre Fans. Der kanadische Teeniestar Justin Bieber hat der Webseite twittercounter.com zufolge mehr als 44 Millionen »Follower«, also Nutzer, die seine Kurznachrichten verfolgen. Der führende Politiker ist US-Präsident Barack Obama, der immerhin auf mehr als 36 Millionen »Follower« kommt.

Werde Mitglied der nd.Genossenschaft!
Seit dem 1. Januar 2022 wird das »nd« als unabhängige linke Zeitung herausgeben, welche der Belegschaft und den Leser*innen gehört. Sei dabei und unterstütze als Genossenschaftsmitglied Medienvielfalt und sichtbare linke Positionen. Jetzt die Beitrittserklärung ausfüllen.
Mehr Infos auf www.dasnd.de/genossenschaft

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal