Eklat wegen Asylpolitik

Biennale Sydney

  • Von Barbara Barkhausen
  • Lesedauer: 3 Min.

Es ist ein deutliches Zeichen - eine Protestaktion. Ein großer Anteil aller Künstler, die in diesem Jahr an der Biennale in Sydney teilnehmen sollen, hat in einem Brief damit gedroht, das Kulturereignis zu boykottieren. »Wir sehen unsere Teilnahme an der Biennale als ein direktes Bindeglied in einer Assoziationskette, die zum Missbrauch von Menschenrechten führt«, schrieben die Künstler in einem Statement. Für sie sei das unverzeihlich.

Grund für den Kultur-Eklat ist ein Sponsor der Sydney-Biennale, eine Firma, die an den umstrittenen Flüchtlingslagern der australischen Regierung Profit schlägt. Die Firma Transfield ist am heftig umstrittenen Auffanglager auf der Pazifikinsel Nauru beteiligt und soll künftig auch Dienste für das Lager auf der zu Papua-Neuguinea gehörenden Insel Manus übernehmen.

Beide Lager sind in der jüngeren Vergangenheit mit negativen Meldungen in der Presse gewesen. Auf Manus ist bei gewalttätigen Ausschreitungen Mitte Februar ein Flüchtling ums Leben gekommen und über 70 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Flüchtlingsorganisationen erhoben daraufhin schwere Vorwürfe gegen die australische Regierung und die private Sicherheitsfirma vor Ort - bei der es sich allerdings nicht um Transfield handelte.

Seit Juli vergangenen Jahres wird jeder Flüchtling, der per Boot ankommt, von der australischen Regierung in Lager nach Papua-Neuguinea oder Nauru abgeschoben. Auch in Nauru kam es im vergangenen Jahr schon zu einer schweren Revolte, bei der das Lager in Brand gesteckt wurde. Unter den Flüchtlingen sind auch über tausend Kinder, die in diesen abgeschotteten, oft trostlosen Lagern ebenfalls mit »weggesperrt« sind, wie die australische Menschenrechtskommission formuliert. Viele der Flüchtlinge leiden an psychischen Problemen und immer wieder kommt es zu Selbstmordversuchen.

Trotz wiederholter Beschwerden der Flüchtlinge über die Lebensbedingungen auf den Inseln ist der Zugang bisher weder der australischen Menschenrechtskommission noch Journalisten gewährt worden. Die winzige Südseeinsel Nauru hält Neugierige mit hohen Kosten für ein Journalistenvisum fern. Die Gebühr ist beim Antrag fällig und wird im Falle einer Ablehnung des Visums nicht zurückerstattet.

All dies hatten die Künstler im Hinterkopf, als sie in einem offenen Brief dafür demonstrierten, die Firma Transfield nicht als einen Sponsor ihres kulturellen Events zu akzeptieren. Die Biennale soll die unterschiedlichen Kulturen zusammenbringen und Offenheit, Miteinander und kreativen Austausch fördern. Unter den Künstlern, die protestiert haben, ist auch der britische Künstler Martin Boyce, der Gewinner des Turner-Preises 2011.

Trotz allen Protests - trennen wird sich die Biennale nicht von ihrem Sponsor. Das haben die Organisatoren bereits bekannt gegeben. Fünf Künstler haben daraufhin bereits Ernst gemacht und ihre Kunstwerke abgezogen. In erster Linie erhoffen sie sich von ihrem Schritt viel Publicity. »Inmitten des tiefen Schweigens, das die Regierung bei diesem Thema erzwingt, wollen wir, dass diese Aktion nicht unbemerkt bleibt«, ließen die Künstler bekannt geben.

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