Verzicht auf Kerrys Konsenskuchen

Roland Etzel zum Schicksal der Nahostverhandlungen

Die Abwärtsspirale dreht sich weiter. Vorbei ist es mit den gemeinsamen Arbeitsessen; Israelis und Palästinenser kündigen eine unbequeme Zusage nach der anderen auf, die sie vor noch nicht so langer Zeit unter US-amerikanischer Nötigung einander gegeben hatten. Vorläufig also keine Verhandlungen mehr oder sonstige Rücksichtnahmen.

Nun könnte man urteilen: Außer (hohen) Spesen nichts gewesen. Hier wurde nur ein bisweilen hochintensives Auf-der-Stelle-Treten eingestellt. Andererseits wohnt jedem noch so quälenden Dialog doch die Hoffnung auf ein Ergebnis inne. Die ist nun passé. Die Wahrheit liegt wohl einmal mehr im Auge des Betrachters. Zwar sind alle betroffen, dennoch nicht gleichermaßen.

Ein israelischer Kommentator meinte launig, beide Seiten seien einfach des halb garen Kuchens überdrüssig, den ihnen US-Außenminister Kerry da servieren wollte. Das mag wahr sein. Allerdings sollte man schon hinzufügen, dass die israelische Seite auf Kerrys Konsenskuchen viel eher verzichten kann. Sie behält ja ihren Vorzugsplatz im palästinensischen Selbstbedienungsladen. Ministerpräsident Netanjahu kündigte gerade genüsslich an, Israel werde sich wieder ein Scheibchen Ostjerusalem abschneiden. Für die Palästinenser bedeutet der Verzicht dagegen wohl erst einmal Nulldiät.

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