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Leipziger Last und Luxus

RasenBallsport »gegen den Rest der Welt«

  • Von Alexander Ludewig, Leipzig
  • Lesedauer: 3 Min.
Nach dem 1:1 gegen Heidenheim gehen vier Leipziger auf Länderspielreise. Zwei RB-Spieler sind besonders begehrt.

In aller Frühe hat Joshua Kimmich am Dienstag Leipzig verlassen. Nicht für immer, dagegen sprach schon das Reiseziel. Um 8.25 Uhr ging es nach Düsseldorf. Die Fortuna, dort ansässiger Zweitligist, ist für RasenBallsport Leipzig allenfalls ein sportlicher Konkurrent, aber kein ernsthafter Gegner, wenn es um den Spielermarkt geht. Düsseldorf war Treffpunkt für die deutsche U 21-Auswahl. Der gerade erst 19-jährige Kimmich wurde für die beiden Playoff-Spiele in der EM-Qualifikation gegen die Ukraine erstmals in den Kader berufen. In der Länderspielpause muss RB Leipzig zudem noch auf drei weitere Spieler verzichten. Der 19-jährige Ungar Zsolt Kalmár und der ein Jahr ältere Däne Yussuf Poulsen reisten sogar zu den A-Nationalmannschaften ihrer Länder, der 21-jährige Ante Rebic folgte dem Ruf der U 21-Auswahl Kroatiens.

Der Tross des 1. FC Heidenheim hat Leipzig auch am Dienstag verlassen. Und das komplett: Kein Spieler wurde von irgendeinem Nationalteam angefordert. Die Baden-Württemberger sind eben ein ganz gewöhnlicher Zweitligaaufsteiger, was ganz und gar nicht despektierlich gemeint ist. Erst recht nicht mit Blick auf das Ergebnis vom Montagabend vor 18 820 Zuschauern. Die Gäste aus Heidenheim hatten RB mit leidenschaftlichem Kampf ein 1:1 abgetrotzt.

RasenBallsport Leipzig ist bekanntermaßen kein gewöhnlicher Aufsteiger. Das zeigte auch der Spielverlauf: Heidenheim hatte eine Chance, die Philip Heise (21.) zur Führung nutzte. RB hatte unzählige Möglichkeiten, konnte aber nur durch den Freistoß von Dominik Kaiser (31.) ausgleichen. Die Überlegenheit der Leipziger fand sich nach Spielende auch in den Worten der Gäste wieder. »Wir wollten uns wehren«, sagte FCH-Kapitän Marc Schnatterer: »Das haben wir mit viel Aufwand geschafft.« Für Trainer Frank Schmidt fühlte sich der »Punktgewinn wie ein Sieg« an.

Einen weiteren Beweis der Ausnahmestellung lieferte Alexander Zorniger. Der RB-Trainer konnte sich den Luxus leisten, von den vier Nationalspielern nur zwei aufzustellen. Gespielt hat RB, abgesehen von der Chancenverwertung, dennoch überzeugend. Überragend wieder einmal Joshua Kimmich: Der schnelle und passstarke Mittelfeldspieler war überall zu finden, kämpfte hinten, glänzte vorn. Kein Wunder, dass sich der Klub besonders um ihn sorgt. Er dürfe nur zur U 21, wenn er körperlich hundertprozentig fit sei, verriet Kimmich eine Bedingung Zornigers.

Nun ist Kimmich also weg und wird, wie Stürmer Yussuf Poulsen, in einer Woche in Leipzig zurückerwartet. Um beide macht sich der Klub dennoch Gedanken. Denn sie sollen schon bei etlichen Erstligisten im In- und Ausland enormes Interesse geweckt haben. Einen finanziellen Wettstreit muss RB zwar nicht fürchten, aber im Kampf um Spieler könnte die fehlende Tradition zur Last werden.

Zwar sind die sportlichen Aussichten gut, vielleicht wird in Leipzig schon in der kommenden Saison Erstligafußball gespielt. Manch einem könnte die Entwicklung trotzdem nicht schnell genug gehen. Klubs, die schon dauerhaft international spielen, haben einen verlockenderen Ruf. Und wie pragmatisch Fußballer sind, beweist Kimmich allein schon im Umgang mit den bundesweiten Fanprotesten gegen die RasenBallsportler. Die nehme die Mannschaft gar als Motivation: »Übertrieben gesagt: Wir gegen den Rest der Welt. Und dass wir den Sport kaputt machen sollen, ist einfach Quatsch.« So spricht ein Profifußballer. Einer, dem persönlicher Erfolg wichtiger ist, als der Klub, für den er gerade spielt.

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