Seehofers Volksgemeinschaft

Markus Drescher über die bayerische Sicht auf Flüchtlinge

  • Von Markus Drescher
  • Lesedauer: 1 Min.

CSU-Chef Horst Seehofer findet, dass man die sogenannten Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mit den heutigen Flüchtlingen vergleichen kann. Damit hat er zum Teil sogar Recht, wenn auch aus anderen Gründen als denjenigen, die Seehofer vorbringt. Ein Unterschied ist, dass die Deutschen damals flohen oder gehen mussten, weil NS-Deutschland seine Angriffs- und Vernichtungskriege verloren hatte. Die Flüchtlinge, die heute versuchen, Deutschland zu erreichen, machen sich auf den Weg, um Kriegen zu entgehen, geführt auch mit deutschen Waffen. Weil ihr Leben vom IS bedroht ist. Um die Wirren destabilisierter (auch von Europa aus) Staaten hinter sich zu lassen. Weil sie rassistisch diskriminiert werden. Ja, weil sie versuchen, existenziellen Nöten zu entkommen - den Verheerungen der (kolonialen) Ausbeutung, den Folgen des von den Industriestaaten verursachten Klimawandels und sonstigen Segnungen des Kapitalismus.

Was sich aus Seehofers Ablehnung des Vergleichs von Bundespräsident Joachim Gauck aber auch herauslesen lässt, ist der Widerwille, dass Flüchtlinge (viele kriminelle Ausländer, weil ja Asylmissbrauch) mit den deutschen »Vertriebenen«, die in die Nachkriegsvolksgemeinschaft integriert wurden, gleichwertig sein sollen. Eine Vorstellung, die offenbar nicht nur den Rassisten in Freital nicht beizubringen ist.

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