Montags ist Peggy da

Dresdner Hooligans als Ordner bei Pegida

  • Von Stephan Fischer
  • Lesedauer: 3 Min.
Den »Hut gezogen« hat sie schon lange vor ihnen – Tanja Festerling macht keinen Hehl aus der Mitwirkung von Hooligans bei Pegida. Nur der sächsische Innenminister gibt sich überrascht.

Jede Woche macht die Semperoper in Dresden das Licht aus: Sie will den fremdenfeindlichen Pegida-Aufmärschen am Theaterplatz nicht noch die Kulisse für die Aufzüge bieten. Deren Organisatoren haben im Laufe eines Jahres allerdings selber mächtig aufgerüstet. Die Bühne samt Technik auf- und abzubauen ist mittlerweile Routine – und auch das Stellen von Ordnern, das bei Demonstrationen dieser Größenordnung zwingend vorgeschrieben ist, stellt die Organisatoren Woche für Woche offenbar vor keine Probleme. Pegida kann dabei auf Dresdner Hooligans bauen.

Diese Verbindung hat Pegida-Frontfrau Tatjana Festerling nie geleugnet. Schon im Oktober 2014, nach den Gewaltexessen bei der Kölner »HoGeSa«-Demonstration in Köln, hatte das damalige AfD-Mitglied Festerling den Hooligans verbal applaudiert: »Heute Abend ziehe ich meinen Hut vor den Hools, vor Euch.« Das dort Skandierte sei in keiner Weise rechtsextrem gewesen. »Eure Parolen waren nicht originell, aber schnell zu merken.«

Ende Oktober 2015 hielt Festerling in Mainz einen Vortrag zu Pegida bei der »farbentragenden und schlagenden« Burschenschaft Halle zu Mainz. In einem bei »Youtube« eingestellten Video äußert sie sich auch zu den Ordnerkräften bei Pegida. Ein nicht-verpixeltes Foto zeigt ca. 60 Personen auf und vor einer Bühne, es ist auf April 2015 datiert. Festerling erklärt dazu: »Das ist unser Ordnerteam. Wir haben eben von Anfang an bei Pegida, muss man so sagen, Hooligans und Leute aus dem Sicherheitsgewerbe gehabt.« Diese hätten »von Anfang an für Sicherheit« gesorgt. Festerling erklärt weiter, »dass es in Dresden weniger Berührungsängste gibt wie hier jetzt zum Beispiel im Westen zu den ›bösen Hooligans‹. Also hier hat man ja eigentlich immer Vorurteile und so weiter. Aber in Dresden sind das auch teilweise [die] von Dynamo und so weiter, die für Sicherheit gesorgt haben.«

Nicht originell, aber schnell zu merken – das triftt auf Musik und Texte der Bremer Rechtsrockgruppe »Kategorie C«, die im Oktober 2014 bei der ersten Hogesa-Demo in Köln auftrat und mit ihrer Musik ein Scharnier zwischen Hooligans und Neonazis bildet, zu. Es gilt genauso für die Erkenntnis, dass Hooligans den »Ordnungsdienst« bei Pegida-Veranstaltungen übernehmen. Schon zu Beginn der Demonstrationen liefen viele sportlich gekleidete junge Männer zum Teil als Ordner mit, manche mit Dynamo-Schal. Schon im Januar 2015 hatte die SG Dynamo Dresden, deren Fancharta sich eindeutig gegen Rassismus, Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung ausspricht, eine Stellungnahme zu Pegida veröffentlicht. Tenor: Man wolle sich nicht positionieren.

Teile der Fanszene kokettierten offen mit Pegida: Ein »Lügenpresse«-Banner beim Spiel gegen Osnabrück im Dezember 2014, »Hurra, hurra, heut ist Peggy da!« als Banner im Pufferblock beim Auswärtsspiel im Februar 2015 in Münster. Ob das nun ultimative Provokation und Opposition gegenüber »den Wessis« oder der »Presse« ist, wie sie in Fußball-Dresden aufgrund tatsächlicher oder gefühlter Benachteiligung schon lange vor Pegida Tradition hatte – die Sprache ist dieselbe wie die der verängstigten oder »besorgten Bürger« bei Pegida. Wenn es Ironie sein sollte, ist sie gut versteckt.

Fraglich bleibt aber auch, wie etwas, das nicht einmal jemand verstecken wollte, dem sächsischen Innenminister Markus Ulbig (CDU) verborgen bleiben konnte. Der zeigte sich via »Bild« entsetzt: Es könne nicht sein, »dass ausgerechnet gewaltbereite junge Männer bei einer Demonstration für Ordnung und Sicherheit sorgen sollen«. Ausgerechnet? Sind das fast 400 Tage alltägliche »Ordnung« und »Sicherheit« nach Pegida-Art.

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