Endspurt an der Urne

In Frankreich hoffen am Sonntag Linke wie Rechte, den Erfolg der FN in Grenzen zu halten

  • Von Ralf Klingsieck, Paris
  • Lesedauer: 3 Min.
Nach dem beispiellosen Erfolg der Front National, die beim ersten Durchgang der Regionalwahl in 6 von 13 Regionen die meisten Stimmen bekam, ist am Sonntag beim zweiten Wahlgang fast alles offen.

Nur eins ist bei der zweiten Runde der französischen Regionalwahlen am Sonntag schon klar: Den von der FN-Parteivorsitzenden Marine Le Pen erhofften massiven Sieg mit dem Einzug von bis zu vier FN-Regionalratspräsidenten wird es nicht geben. Dafür hat schon die Entscheidung der Sozialisten gesorgt, in der Region Nord-Pas-de-Calais-Picardie, wo Marine Le Pen selbst die FN-Liste anführt, und in der Region Provence-Alpes-Côte d’Azur, wo ihre Nichte Marion Maréchal-Le Pen die FN-Spitzenkandidatin ist, die PS-Liste zurückzuziehen. Dadurch und durch die Aufforderung an die eigenen Wähler, lieber für die rechten Spitzenkandidaten zu votieren, können die Tochter und die Enkelin des Parteigründers Jean-Marie Le Pen, die es im ersten Wahlgang auf jeweils etwa 41 Prozent brachten, am sicher gewähnten Sieg gehindert werden.

Die PS-Parteiführung hatte auch den Rückzug der eigenen Liste in der Region Alsace-Lorraine-Ardennes-Champagne angekündigt. Dort hat indes der Spitzenkandidat Jean-Pierre Masseret, der hinter den rechtsbürgerlichen Republikanern (LR) und der FN nur auf den dritten Platz gekommen war, auf einer Kandidatur auch im dritten Wahlgang bestanden. Doch da im Gegensatz zu ihm viele linke Wähler die Blockierung der FN höher stellen als die Befürchtung, in den nächsten fünf Jahren ganz ohne Sitz und Stimme im Regionalrat zu sein, kann dieser Stimmenzuwachs dem Kandidaten der rechtsbürgerlichen Republikaner (LR) reichen, um sich durchzusetzen und den FN-Vizepräsidenten Florian Philippot um seine Siegeschancen zu bringen.

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen wird es in der Region Bourgogne-Franche-Comté geben, wo die Rechtsradikalen, die Republikaner und die Sozialisten mit dem Rückhalt der Linksfront und der Grünen antreten. Hier und mit ähnlicher Konstellation in den Regionen Languedoc-Roussillon-Midi-Pyrenées und Centre-Val de Loire wird viel davon abhängen, ob genug Linkswähler ihre Enttäuschung über die Politik der Sozialisten zurückstellen und trotzdem für sie votieren.

Als Favoriten treten die Sozialisten in den Regionen Korsika, Bretagne, Normandie und Aquitaine-Limousin-Poitou-Charante an, während sich die Republikaner bislang nur einen relativ sicheren Sieg in der Region Pays de Loire ausrechnen können. Einen erbitterten Endspurt dürfte es um die Pariser Region Ile-de-France geben, den die Republikaner unbedingt für sich gewinnen wollen, wo ihnen aber eine relativ geschlossene Front aus Sozialisten, Linksfront und Grünen gegenübersteht.

Viel wird am Sonntag davon abhängen, ob diesmal mehr Wähler an die Urnen treten als vor einer Woche, als die Beteiligung zwar besser als 2010 war, trotzdem aber nur bei 50 Prozent lag.

Die Sozialisten hoffen, mit der Warnung vor der mit den Hufen scharrenden Front National noch viele ihrer traditionellen Wähler zu mobilisieren, die der PS-geführten Regierung mit der Wahlverweigerung vor einer Woche einen Denkzettel verpassen wollten, die es aber nicht auf einen Sieg der FN ankommen lassen wollen. Die kann dagegen auf keine Wählerreserven mehr hoffen.

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