Milchpreis fällt unter 20 Cent

EU-Agrarminister beraten über weitere Hilfsmaßnahmen für Landwirte

Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) will den Milchbauern finanziell unter die Arme greifen. Doch die Landwirte sind sauer auf ihn, weil dies nicht reicht.

Berlin. Es sind schwere Zeiten für Milchbauern. Der Preis, den Landwirte für einen Liter Frischmilch von den Molkereien erhalten, ist einem Zeitungsbericht zufolge erstmals unter 20 Cent gefallen. Dies sei ein Preisverfall binnen weniger Wochen um weitere 30 Prozent, berichtete die »Frankfurter Allgemeine Zeitung« am Dienstag unter Berufung auf Vertreter mehrerer Molkereien. Preisverhandlungen zwischen Molkereien und Landwirten hätten in manchen Regionen Auszahlungspreise von 19 oder 18 Cent ergeben.

Da die Bauern mit großen Verlusten produzieren, will die Bundesregierung ihnen unter die Arme greifen. Ende des Monats sollen die Details auf einem Milchgipfel besprochen werden, an dem Politiker, Molkereien, Bauernvertreter und Einzelhändler auf Einladung von Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) teilnehmen. Am Dienstag trafen sich bereits die EU-Agrarminister in Brüssel, um unter anderem über die Lage auf dem Milchmarkt zu diskutieren. Schon im September 2015 hatten sie ein Nothilfeprogramm in Höhe von 500 Millionen Euro beschlossen. Auf Deutschland entfielen etwa 69 Millionen Euro. Im März hatte die EU zudem den Weg für freiwillige, zeitlich begrenzte Mengenreduzierungen in den EU-Staaten für Milchprodukte freigemacht.

Um die Existenz der etwa 75 000 Milchbauern hierzulande zu sichern, ist dies offenbar nicht genug. Denn um kostendeckend arbeiten zu können, bräuchten die hiesigen Milchbauern einen Erzeugerpreis von etwa 40 Cent pro Liter. Doch schon im März hatten große Molkereien auf Grund des Milchüberangebots nur noch rund 24 Cent je Liter gezahlt. Zudem senkte der Discounter Aldi den Preis für einen Liter frische Vollmilch von 59 auf 46 Cent - andere Einzelhandelsketten könnten bald folgen und so den Druck auf die Bauern erhöhen.

Medienberichten zufolgen sind im Landwirtschaftsministerium nun sofortige Hilfszahlungen von 60 bis gut 100 Millionen Euro im Gespräch. »Wir werden den Bauern mit Steuererleichterungen und Liquiditätshilfen zur Seite stehen«, sagte Ressortchef Schmidt der »Süddeutschen«. Zurück zur Milchquote will er jedoch nicht. Sein Credo: »Die Milchkrise muss im Markt gelöst werden.«

Doch die Gründe für die prekäre Lage der Milchbauern sind neben den Russlandsanktionen und schwächerer Nachfrage aus China vor allem das Auslaufen der Milchquote in der EU im Jahr 2015. Manche EU-Staaten fordern nun für den heimischen Markt stärkere Mengenregulierungen und Ausgleichszahlungen auf EU-Ebene. Besonders kritische Töne schlägt Paris an. Französische Bauern protestieren immer wieder besonders heftig gegen die niedrigen Preise.

Auch die deutschen Milchbauern wollen nun mehr Druck auf Schmidt ausüben und bis Ende Mai durchgehend vor seinem Wahlkreisbüro in Neustadt an der Aisch demonstrieren. »Die Landwirte haben alles Mögliche, aber bestimmt keine Zeit mehr für eine weitere Gesprächsrunde, bei der Bundesminister Christian Schmidt einfach nur daneben sitzt ohne den geringsten Gestaltungswillen zu zeigen«, so Romuald Schaber, Vorsitzender des Bundesverbands Deutscher Milchviehhalter. Agenturen/nd

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